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Midnight Sun

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Re: Midnight Sun

Beitrag  Elle am Fr Jul 03, 2009 8:33 am

4. Visionen



Ich ging zurück zur Schule. Es war das einzig
richtige, die unauffälligste Art sich zu
benehmen.
Gegen Ende des Tages waren fast alle Schüler
wieder in die Schule zurückgekehrt. Nur
Tyler, Bella und ein paar andere – die den
Unfall dazu nutzen um zu schwänzen – blieben
abwesend.
Es sollte nicht so schwer für mich sein, das
richtige zu tun. Aber den ganzen Nachmittag
biss ich meine Zähne zusammen um gegen das
Verlangen anzukämpfen, dass in mir die
Sehnsucht weckte auch zu schwänzen – um das
Mädchen wieder zu finden.
Wie ein Stalker. Ein besessener Stalker. Ein
besessener Vampir-Stalker.
Schule war heute – irgendwie, unmöglich –
noch langweiliger als letzte Woche.
Koma-mäßig. Es war als wäre sämtliche Farbe
aus den Backsteinen gewichen, und aus den
Bäumen, dem Himmel, den Gesichtern um mich
herum… Ich starrte auf die Risse in der
Wand.
Es gab noch etwas richtiges, das ich tun
musste… das ich nicht tat. Natürlich war es
ebenso falsch. Es kam ganz auf den
Blickwinkel an von dem aus man es
betrachtete.

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Re: Midnight Sun

Beitrag  Elle am Fr Jul 03, 2009 8:33 am

Von der Perspektive eines Cullen – nicht nur
eines Vampirs, sondern eines Cullen, jemandem
der zu einer Familie gehörte, so ein seltener
Status in unserer Welt – das richtige wäre
ungefähr das:
„Ich bin überrascht, dich hier im Unterricht
zu sehen, Edward. Ich hab gehört du warst in
diesen schlimmen Autounfall heute Morgen
verwickelt.“
„Ja, das war ich Mr. Banner, aber ich hatte
Glück.“ Ein freundliches Lächeln. „Ich bin
nicht verletzt worden… ich wünschte ich
könnte das selbe von Tyler und Bella
behaupten.“
„Wie geht es ihnen?“
„Ich glaube Tyler geht es soweit gut… nur
ein paar oberflächliche Kratzer von der
Windschutzscheibe. Aber bei Bella bin ich mir
nicht sicher.“ Ein besorgter Seufzer. „Sie
hat vielleicht eine Gehirnerschütterung. Ich
hörte sie war etwas verwirrt – sah sogar
Dinge. Ich weiß, dass die Ärzte besorgt
waren…“
So hätte es laufen sollen. Das schuldete ich
meiner Familie.
„Ich bin überrascht, dich hier im Unterricht
zu sehen, Edward. Ich hab gehört du warst in
diesen schlimmen Autounfall heute Morgen
verwickelt.“
„Ich bin nicht verletzt worden.“ Kein
Lächeln.
Mr. Banner verlagerte sein Gewicht von einem
Fuß auf den anderen.
„Weißt du wie es Tyler Crowley und Bella
Swan geht? Ich hab gehört, es gab einige
Verletzungen…“
Ich zuckte mit den Schultern. „Davon weiß
ich nichts.“

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Re: Midnight Sun

Beitrag  Elle am Fr Jul 03, 2009 8:34 am

Mr. Banner räusperte sich. „Ähm ja,
richtig…“ sagte er und mein kalter Blick ließ
seine Stimme angespannt klingen.
Er ging eilig wieder nach vorne und begann
mit dem Unterricht.
Es war falsch. Es seih denn man betrachtete
es aus einem undeutlicheren Blickwinkel.
Es kam mir nur so… so unritterlich vor
hinter dem Rücken des Mädchens schlecht von
ihr zu reden, besonders da sie sich als
vertrauenswürdiger erwies als ich mir hätte
träumen lassen. Sie hatte nichts gesagt das
mich verraten hätte, obwohl sie guten Grund
dazu gehabt hätte. Konnte ich sie verraten,
wenn sie nichts anderes getan hatte, als mein
Geheimnis zu bewahren?
Ich hatte eine ähnliche Unterhaltung mit
Mrs. Goff – nur auf Spanisch statt englisch –
und Emmett warf mir einen langen Blick zu.
Ich hoffe du hast eine gute Erklärung für
das was heute passiert ist. Rose ist auf dem
Kriegspfad.
Ich verdrehte meine Augen ohne ihn
anzuschauen.
Ich hatte mir schon eine perfekte Erklärung
zurechtgelegt. Man stelle sich nur mal vor,
ich hätte nichts unternommen um den Van davon
abzuhalten, das Mädchen zu zerquetschen…
spulte ich meine Ausrede in Gedanken ab. Aber
wenn sie getroffen worden wäre, wenn sie
zerfleischt worden wäre und geblutet hätte,
die rote Flüssigkeit verschwendet auf der
Teerdecke, der Geruch des frischen Blutes der
durch die Luft strömte…
Ich erzitterte, aber nicht nur vor grauen.
Ein Teil von mir zitterte vor Verlangen.
Nein, ich wäre nicht in der Lage gewesen sie
bluten zu sehen ohne uns auf abscheulichere
und schockierendere Weise zu entlarven.

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Re: Midnight Sun

Beitrag  Elle am Fr Jul 03, 2009 8:35 am

Es war eine perfekte Ausrede… aber ich würde
sie nicht gebrauchen. Es wäre zu beschämend.
Und ehrlichgesagt, hatte ich erst lange nach
der Aktion über diese Möglichkeit
nachgedacht.
Pass auf wegen Jasper, fuhr Emmett fort ohne
meine Träumerei zu bemerken. Er ist nicht so
sauer… aber er ist fester entschlossen.
Ich verstand sofort was er meinte und für
einen Moment verschwamm der Raum vor meinen
Augen. Meine Wut war so all-umfassend dass
ein roter Dunst meine Sicht vernebelte. Ich
dachte ich würde daran ersticken.
PSSST, EDWARD! REISS DICH ZUSAMMEN! Brüllte
Emmett mir in seinem Kopf entgegen. Er legte
seine Hand auf meine Schulter und hielt mich
fest, bevor ich aufspringen konnte. Er nutzte
selten auch nur annähernd seine ganze Kraft –
das war nicht nötig, denn er war stärker als
jeder Vampir den einer von uns jemals
kennengelernt hatte – aber jetzt nutzte er
sie. Er packte meinen Arm, aber drückte mich
nicht runter. Wenn er gedrückt hätte, wäre
der Stuhl unter mir zusammengebrochen.
RUHIG! Befahl er.
Ich versuchte mich zu beruhigen aber es war
schwer. Die Wut brannte in meinem Kopf.
Jasper wird nichts unternehmen, bevor wir
uns nicht alle miteinander unterhalten haben.
Ich dachte nur du solltest wissen, in welche
Richtung er tendiert.
Ich konzentrierte mich darauf, mich zu
entspannen und fühlte wie Emmetts Hand sich
löste.
Versuch nicht noch mehr Aufsehen zu erregen.
Du hast schon genug Schwierigkeiten.
Ich atmete tief durch und Emmett ließ mich
los.

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Re: Midnight Sun

Beitrag  Elle am Fr Jul 03, 2009 8:35 am

Ich hörte mich routiniert im Klassenraum um,
aber unsere Auseinandersetzung war so kurz
und leise , dass nur ein paar Leute die
hinter Emmett saßen, etwas mitbekommen
hatten. Niemand wusste etwas damit
anzufangen, also ließen sie es auf sich
beruhen. Die Cullens waren Freaks – jeder
wusste das bereits.
Verdammt, Junge, du bist ein Wrack, fügte
Emmett noch hinzu mit Verständnis in der
Stimme.
„Beiß mich,“ murmelte ich und hörte ihn
leise kichern.
Emmett verurteilte niemanden und ich sollte
dankbarer sein für seine einfache Natur. Aber
ich konnte sehen, dass Jaspers Pläne für ihn
einen Sinn ergaben, dass es ihm vorkam wie
die bestmöglichste Lösung.
Die Wut brodelte in mir, kaum unter
Kontrolle. Ja, Emmett war stärker als ich,
aber er musste mich noch im Wrestling
schlagen. Er beschwerte sich, ich würde
mogeln, aber die Gedanken von jemandem zu
hören war genauso ein Teil von mir, wie seine
immense Kraft ein Teil von ihm war. Wir waren
uns ebenbürtig in einem Kampf.
Ein Kampf? Lief es darauf hinaus? Würde ich
gegen meine Familie kämpfen wegen einem
Menschen den ich kaum kannte?
Für einen Moment dachte ich darüber nach,
dachte an das Gefühl des zerbrechlichen
Körpers des Mädchens in meinen Armen im
Vergleich zu Jasper, Rose und Emmett –
übernatürlich stark und schnell, von Natur
aus Killer Maschinen…
Ja, ich würde für sie kämpfen. Gegen meine
Familie. Ich schauderte.

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Re: Midnight Sun

Beitrag  Elle am Fr Jul 03, 2009 8:36 am

Aber ich konnte auch nicht alleine gewinnen,
nicht gegen alle drei und ich fragte mich,
wer auf meiner Seite stehen würde.
Carlisle, ganz sicher. Er würde gegen
niemanden kämpfen, aber er wäre absolut gegen
Roses und Jaspers Vorschlag. Das war
vielleicht alles was ich brauchte. Wir würden
sehen…
Esme, eher nicht. Sie wäre auch nicht gegen
mich und sie würden es hassen nicht mit
Carlisle übereinzustimmen aber sie wäre für
jeden Plan der ihre Familie zusammenhalten
würde. Ihre oberste Priorität wäre nicht
Recht, sondern ich. Wenn Carlisle die Seele
unserer Familie war, dann war Esme das Herz.
Er gab uns einen Anführer der es verdiente,
dass man ihm folgte; sie sorgte dafür dass
wir aus Liebe folgten. Wir liebten uns alle –
sogar unter der Wut die ich im Moment für
Rose und Jasper verspürte, sogar während ich
plante sie zu bekämpfen um das Mädchen zu
schützen, wusste ich, dass ich sie liebte.
Alice… ich hatte keine Ahnung. Es würde
vermutlich davon abhängen, was sie kommen
sah. Sie würde auf der Seite des Siegers
stehen, könnte ich mir vorstellen.
Also würde ich ohne Hilfe auskommen müssen.
Allein war ich kein Gegner für sie, aber ich
würde nicht zulassen, dass das Mädchen wegen
mir verletzt würde. Das könnte
Ausweichmöglichkeiten bedeuten…
Meine Wut wurde von dem schwarzen Humor
gedämpft. Ich konnte mir vorstellen, wie das
Mädchen reagieren würde, wenn ich sie
entführte. Natürlich riet ich selten richtig,
wenn es um ihre Reaktionen ging – aber wie
konnte sie anders reagieren als mit
Schrecken?

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Re: Midnight Sun

Beitrag  Elle am Fr Jul 03, 2009 8:37 am

Ich war mir nicht sicher, wie ich das
anstellen sollte – sie entführen. Ich wäre
nicht in der Lage lange in ihrer Nähe zu
sein. Vielleicht würde ich sie einfach zurück
zu ihrer Mutter bringen. Aber auch das wäre
sehr gefährlich. Für sie.
Und auch für mich, bemerkte ich plötzlich.
Wenn ich sie aus Versehen tötete… ich war mir
nicht sicher, wie viel Schmerz mir das
bereiten würde, aber ich wusste, dass es
vielfältig und intensiv sein würde.
Die Zeit verging schnell, während ich über
all die Komplikationen nachdachte, die vor
mir lagen: die Auseinandersetzung die zu
Hause auf mich wartete, der Konflikt mit
meiner Familie, die Schritte die ich
anschließend gezwungen wäre einzuleiten…
Naja, immerhin konnte ich mich nicht darüber
beschweren, dass das Leben außerhalb der
Schule monoton wäre. Das Mädchen hatte so
viel verändert.
Emmett und ich gingen schweigend zum Auto
als die Schulglocke läutete. Er machte sich
Sorgen um mich und um Rosalie. Er wusste auf
welcher Seite er stehen musste, wenn es zum
Streit kam, und es störte ihn.
Die anderen warteten im Wagen auf uns,
ebenso still. Wir waren ein ruhiges
Grüppchen. Nur ich konnte das Geschrei
hören.
Idiot! Wahnsinniger! Schwachkopf! Esel!
Selbstsüchtiger, unverantwortlicher Dummkopf!
Rosalie feuerte eine Beleidigung nach der
anderen auf mich ab. Es machte es schwerer
die anderen zu hören, aber ich blendet sie
aus so gut es ging.

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Re: Midnight Sun

Beitrag  Elle am Fr Jul 03, 2009 8:37 am

Emmett hatte recht, was Jasper anging. Er
war sich sicher, welchen Weg er gehen würde.
Alice war aufgewühlt, besorgt um Jasper
jagte sie durch Bilder in der Zukunft. Egal
aus welcher Richtung Jasper auf das Mädchen
zuging, sah Alice immer mich, wie ich ihn
abwehrte. Interessant… weder Rosalie noch
Emmett waren bei ihm in dieser Vision. Also
plante Jasper alleine vorzugehen. Das glich
die Sache aus.
Jasper war der beste, der erfahrenste
Kämpfer unter uns. Mein einziger Vorteil
bestand darin, dass ich seine Bewegungen
hören konnte, bevor er sie machte.
Ich hatte nie ernsthaft mit Emmett oder
Jasper gekämpft – nur herumgealbert. Es
gefiel mir nicht, dass ich Jasper wirklich
verletzen müsste…
Nein, nicht das. Nur abwehren. Das war
alles.
Ich konzentrierte mich auf Alice, wie sie
sich Jaspers verschiedene Angriffswege
merkte.
Als ich das tat, veränderten sich ihre
Visionen, entfernten sich immer weiter von
dem Swan-Haus. Ich würde ihn vorher
ausschalten…
Hör auf damit, Edward! Das kann nicht
passieren. Ich werde es nicht zulassen.
Ich antwortete ihr nicht, ich sah nur weiter
zu.
Sie begann weiter voraus zu suchen, in den
verschwommenen, unsicheren, weit entfernten
Möglichkeiten. Alles war schattenhaft und
vage.
Auf dem ganzen Heimweg löste sich die
unangenehme Stille nicht auf. Ich parkte in
der großen Garage des Hauses; Carlisles

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Re: Midnight Sun

Beitrag  Elle am Fr Jul 03, 2009 8:38 am

Mercedes war da, neben Emmetts großen Jeep,
Roses M3 und meinem Vanquish. Ich war
erleichtert, dass Carlisle schon zu Hause war
– diese Stille würde mit einer Explosion
enden und ich wollt ihn dabei haben, wenn das
passierte.
Wir gingen direkt ins Essezimmer.
Der Raum wurde selbstverständlich nie für
seinen eigentlichen Zweck genutzt. Aber er
war möbliert mit einem langen ovalen
Mahagoni-Tisch, der von Stühlen umgeben war –
wir waren gewissenhaft darauf bedacht alle
Requisiten an ihrem Platz zu haben. Carlisle
nutzte ihn gern als Konferenzraum. In eine
Gruppe voller starker und verschiedener
Charaktere war es manchmal von Nöten die
Dinge in einer ruhigen, gesitteten Atmosphäre
zu besprechen.
Ich hatte so das Gefühl, dass es heute nicht
gesittet zugehen würde.
Carlisle saß an seinem üblichen Platz, am
östlichen Kopfende des Tisches. Esme saß
neben ihm – sie hielten sich an den Händen.
Esmes Augen ruhten auf mir, die goldenen
Tiefen voller Sorge.
Bleib. Es war ihr einziger Gedanke.
Ich wünschte ich könnte die Frau anlächeln
die in so vielerlei Hinsicht wirklich meine
Mutter war, aber ich hatte jetzt keine
beruhigenden Blicke für sie.
Ich setzte mich zu Carlisles anderer Seite.
Esme streckte sich an ihm vorbei um mir ihre
freie Hand auf die Schulter zu legen. Sie
hatte keine Ahnung, was hier gleich passieren
würde; sie machte sich bloß Sorgen um mich.
Carlisle hatte ein besseres Gefühl dafür,
was gleich kommen würde. Er presste seine
Lippen zusammen und runzelte die Stirn. Der

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Re: Midnight Sun

Beitrag  Elle am Fr Jul 03, 2009 8:45 am

Ausdruck war zu alt für sein junges Gesicht.
Als die anderen sich setzten, konnte ich die
Trennlinie die gezogen wurde genau sehen.
Rosalie setzte sich gegenüber von Carlisle,
ans andere Ende des langen Tisches. Sie
funkelte mich an und machte keine Anstalten
wieder wegzusehen.
Emmett setze sich neben sie, sein Gesicht
und seine Gedanken verdreht.
Jasper zögerte und stellte sich dann an die
Wand hinter Rosalie. Seine Entscheidung war
gefallen, egal wie diese Diskussion ausging.
Ich presste meine Zähne zusammen.
Alice betrat als letzte den Raum, ihre Augen
auf etwas in weiter Ferne gerichtet – die
Zukunft, immer noch zu verworren um einen
Nutzen daraus ziehen zu können. Ohne darüber
nachzudenken, setzte sie sich neben Esme. Sie
rieb sich die Stirn, als hätte sie
Kopfschmerzen. Jasper wurde unruhig, unsicher
ob er sich zu ihr setzten sollte, aber er
behielt seinen Platz bei.
Ich atmete tief durch. Ich hatte das ganze
Angefangen – ich sollte zuerst reden.
„Es tut mir leid,“ sagte ich und schaute
erst zu Rose, dann Jasper und dann Emmett.
„Ich wollte niemanden von euch in
Schwierigkeiten bringen. Es war gedankenlos
und ich übernehme die volle Verantwortung für
meine übereilte Aktion.“
Rosalie funkelte mich unheilvoll an. „Was
meinst du mit `volle Verantwortung
übernehmen`? Wirst du es wieder
geradebiegen?“
„Nicht so wie du denkst,“ sagte ich und
versuchte meine Stimme ruhig und gleichmäßig
zu halten. „Ich bin bereit zu gehen, wenn es
die Lage verbessert.“ Wenn ich glaube, dass

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Re: Midnight Sun

Beitrag  Elle am Fr Jul 03, 2009 8:45 am

das Mädchen sicher ist, wenn ich glaube, dass
keiner von euch sie anfassen wird, fügte ich
in meinem Kopf hinzu.
„Nein,“ murmelte Esme. „Nein, Edward.“
Ich tätschelte ihre Hand. „Es ist doch nur
für ein paar Jahre.“
„Esme hat recht,“ sagt Emmett. „Du kannst
jetzt nirgendwo hingehen. Das wäre das
Gegenteil von Hilfreich. Wir müssen wissen,
was die Leute denken. Jetzt mehr denn je.“
„Alice wird alles Wichtige auffangen,“
wiedersprach ich.
Carlisle schüttelte seinen Kopf, „Ich denke
Emmett hat recht. Das Mädchen wird eher
reden, wenn du verschwindest. Entweder wir
gehen alle, oder keiner.“
„Sie wird nichts sagen,“ beharrte ich
schnell. Rose war kurz davor zu explodieren
und ich wollte diesen Fakt vorher loswerden.
„Du kennst ihre Gedanken nicht,“ erinnerte
mich Carlisle.
„Aber das weiß ich. Alice, bestätige mich.“
Alice starrte mich resignierend an. „Ich
kann nicht sehen, was passiert, wenn wir das
einfach ignorieren.“ Sie blickte kurz zu Rose
und Jasper.
Nein, diese Zukunft konnte sie nicht sehen –
nicht wenn Rosalie und Jasper so entschieden
dagegen waren die Sache zu ignorieren.
Rosalie schlug mit der flachen Hand auf den
Tisch. „Wir können dem Menschen nicht die
Chance lassen irgendetwas zu sagen. Carlisle
das muss dir klar sein. Selbst wenn wir
beschließen würden alle zu verschwinden, ist
es nicht sicher Geschichten zurückzulassen.
Wir leben so anders als der Rest von unserer
Art – du weißt, dass es genug gibt, die jeden
Grund willkommen heißen um mit dem Finger auf

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Re: Midnight Sun

Beitrag  Elle am Fr Jul 03, 2009 8:46 am

uns zu zeigen. Wir müssen noch vorsichtiger
sein, als alle anderen!“
„Wir haben schon oft Gerüchte
zurückgelassen,“ erinnerte ich sie.
„Nur Gerüchte und Annahmen, Edward. Keine
Augenzeugen und Beweise!“
„Beweise!“ höhnte ich.
Aber Jasper nickte, seine Augen waren
unerbittlich.
„Rose…“ begann Carlisle.
„Lass mich ausreden Carlisle. Es muss keine
große Sache werden. Das Mädchen hat sich
heute den Kopf angeschlagen. Vielleicht
stellt sich heraus, dass die Verletzung
schwerer war, als sie auf den ersten Blick
schien.“ Rosalie zuckte mit den Schultern.
„Jeder Sterbliche geht mit dem Risiko ins
Bett nie wieder aufzuwachen. Die anderen
erwarten von uns, dass wir hinter uns
aufräumen. Technisch gesehen wäre es Edwards
Job das zu tun, aber das übersteigt
offensichtlich seine Kräfte. Du weißt, dass
ich mich unter Kontrolle habe. Ich würde
keine Beweise zurücklassen.“
„Ja, Rosalie, wir alle wissen was für ein
professioneller Meuchelmörder du bist,“
knurrte ich.
Sie zischte mich wütend an.
„Edward, bitte,“ sagte Carlisle. Dann wandte
er sich zu Rosalie. „Rosalie, ich habe in
Rochester nicht hingesehen weil ich der
Meinung war, dass du deine Gerechtigkeit
verdient hattest. Die Männer die du getötet
hast, haben dir großes Unrecht angetan. Aber
das hier ist nicht dieselbe Situation. Das
Swan-Mädchen ist unschuldig.“
„Es ist nichts persönliches, Carlisle,“
sagte Rose durch ihre Zähne. „Es ist zu

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Re: Midnight Sun

Beitrag  Elle am Fr Jul 03, 2009 8:46 am

unserem Schutz.“
Es folgte ein kurzer Moment der Stille, als
Carlisle seine Antwort überdachte. Als er
nickte, leuchteten Rosalies Augen auf. Sie
hätte es besser wissen müssen. Selbst wenn
ich nicht in der Lage gewesen wäre, seine
Gedanken zu lesen, hätte ich seine nächsten
Worte vorhersagen können. Carlisle machte
keine Kompromisse.
„Ich weiß, dass du es nur gut meinst,
Rosalie, aber… ich möchte, dass meine Familie
es verdient beschützt zu werden. Der
gelegentliche… Unfall oder Fehltritt ist ein
bedauerlicher Teil dessen was wir sind.“ Es
war so typisch für ihn, sich mit
einzubeziehen, obwohl er nie selbst so einen
Fehltritt hatte. „Ein unschuldiges Kind
kaltblütig zu ermorden ist etwas ganz
anderes. Ich denke, die Gefahr, die sie
bedeutet, egal ob sie ihre Vermutungen
ausspricht oder nicht, ist kein
übergeordnetes Risiko. Wenn wir ausnahmen
machen um uns selbst zu schützen, riskieren
wir etwas viel wichtigeres. Wir verlieren das
Wesen das uns ausmacht.“
Ich riss mich zusammen so gut ich konnte. Es
würde der Situation nicht guttun, wenn ich
jetzt grinste. Oder applaudierte, was ich so
gern getan hätte.
Rosalie knurrte. „Es wäre nur
verantwortlich.“
„Es wäre hartherzig,“ korrigierte Carlisle
sanft. „Jedes Leben ist wertvoll.“
Rosalie seufzte schwer und schob ihre
Unterlippe vor. Emmett tätschelte ihre
Schulter. „Es wird alles gut werden Rose,“
ermutigter er sie mit sanfter Stimme.
„Die Frage ist,“ sprach Carlisle weiter, „ob

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Re: Midnight Sun

Beitrag  Elle am Fr Jul 03, 2009 8:47 am

wir weiterziehen sollen?“
„Nein,“ stöhnte Rosalie. „Wir haben uns
gerade eingelebt. Ich möchte nicht schon
wieder in meinem zweiten High School Jahr
anfangen!“
„Du könntest dein jetziges Alter natürlich
beibehalten,“ sagte Carlisle.
„Um dann noch früher wieder wegzuziehen?“
konterte sie.
Carlisle zuckte mit den Schultern.
„Ich mag es hier! Hier scheint so selten die
Sonne, wir sind fast normal.“
„Naja, wir müssen uns ja nicht gleich
entscheiden. Wir können abwarten und sehen ob
es nötig ist. Edward scheint sich sicher zu
sein, dass das Swan-Mädchen nichts sagen
wird.“
Rosalie schnaubte.
Aber um Rose machte ich mir keine Sorgen
mehr. Ich konnte sehen, dass sie sich
Carlisles Entscheidung beugte, egal wie sauer
sie auf mich war. Ihr Gespräch ging mit
unwichtigen Details weiter.
Jasper verharrte bewegungslos.
Ich verstand warum. Bevor er und Alice sich
getroffen hatten, hatte er in einem
Kriegsgebiet gelebt, es war ein
unbarmherziger Krieg. Er kannte die
Konsequenzen wenn man die Regeln brach – er
hatte die grausamen Nachwirkungen mit eigenen
Augen gesehen.
Es hatte eine Menge ausgesagt, dass er
Rosalie nicht mit seinen besonderen
Fähigkeiten beruhigt hatte, und es auch jetzt
noch nicht tat. Er hielt sich aus der
Diskussion raus – stand darüber.
„Jasper,“ sagte ich.
Er erwiderter meinen Blick mit

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Re: Midnight Sun

Beitrag  Elle am Fr Jul 03, 2009 8:48 am

ausdruckslosem Gesicht.
„Sie wird nicht für meinen Fehler bezahlen.
Das werde ich nicht zulassen.“
„Dann profitiert sie daraus? Sie hätte heute
sterben sollen, Edward. Ich würde das nur
berichtigen.“
Ich wiederholte mich und betonte jedes Wort.
„Ich werde es nicht zulassen.“
Er hob überrascht die Augenbrauen. Damit
hatte er nicht gerechnet – er hätte nicht
geglaubt dass ich ihn stoppen würde.
Er schüttelte einmal seinen Kopf. „Und ich
werde nicht zulassen, dass Alice in Gefahr
gerät, nicht mal den Hauch einer Gefahr. Du
empfindest nicht das gleiche für jemanden was
ich für sie empfinde, Edward, und du hast
nicht durchgemacht, was ich durchmachen
musste, egal ob du meine Erinnerungen gesehen
hast, oder nicht. Du verstehst es nicht.“
„Ich werde darüber nicht mit dir
diskutieren, Jasper. Aber ich sage es dir
jetzt noch einmal, Ich werde nicht zulassen,
dass du Isabella Swan verletzt.“
Wir starrten uns an – nicht funkelnd,
sondern um den Gegner abzuschätzen. Ich
spürte wie er die Stimmung um mich herum
abtastete, um meine Entschlossenheit zu
prüfen.
„Jazz,“ unterbrach Alice uns.
Er erwiderte meinen Blick noch einen Moment
länger und wandte sich dann Alice zu. „Du
brauchst mir nicht zu erzählen, dass du dich
selber schützen kannst, Alice. Das weiß ich.
Dennoch muss ich…“
„Das wollte ich gar nicht sagen,“ unterbrach
Alice. „Ich wollte dich um einen Gefallen
bitten.“

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Re: Midnight Sun

Beitrag  Elle am Fr Jul 03, 2009 8:48 am

Ich sah was sie vorhatte und mein
Unterkiefer klappte auf mit einem lauten
Japsen. Ich starrte sie an, geschockt, mir
war nur vage bewusst, dass alle außer Alice
und Jasper mich vorsichtig anschauten.
„Ich weiß, dass du mich liebst. Danke. Aber
es wäre mir wirklich lieber, wenn du
versuchen könntest, Bella nicht zu töten.
Erstens, Edward ist sich sicher und ich
möchte nicht dass ihr beide euch bekämpft.
Zweitens, sie ist meine Freundin. Oder
besser, sie wird es sein.“
Es war glasklar in ihrem Kopf: Alice,
lächelnd, mit ihrem eisigen Arm auf den
warmen, zerbrechlichen Schultern des
Mädchens. Und Bella lächelte auch. Ihr Arm um
Alices Hüfte.
Die Vision war felsenfest; nur der Zeitpunkt
war noch unklar.
„Aber… Alice…“ keuchte Jasper. Ich war nicht
in der Lage meinen Kopf zu drehen um seinen
Gesichtsausdruck zu erkenne. Ich konnte mich
nicht von dem Bild in Alices Kopf losreißen
um seinen zu sehen.
„Ich werde sie eines Tages lieben, Jazz. Ich
wäre sehr verärgert, wenn du sie nicht in
Ruhe lässt.“
Ich war immer noch gefangen in Alices
Gedanken. Ich sah wie die Zukunft schimmerte,
als Jaspers Entschluss wankte bei ihrer
unerwarteten Bitte.
„Ah,“ seufzte sie – seine Unentschlossenheit
hatte eine neue Zukunft hervorgebracht. „Seht
ihr? Bella wird nichts sagen. Wir haben
nichts zu befürchten.“
Wie sie den Namen des Mädchens sagte… als
wären sie längst enge Vertraute…
„Alice,“ würgte ich hervor. „Was… soll
das…?“

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Re: Midnight Sun

Beitrag  Elle am Fr Jul 03, 2009 8:48 am

„Ich hab dir gesagt, dass eine Veränderung
ansteht. Ich weiß es nicht, Edward.“ Aber sie
schloss ihren Mund, und ich konnte sehen,
dass da noch mehr dahintersteckte. Sie
versuchte nicht daran zu denken; sie
konzentrierte sich jetzt auf Jasper, obwohl
er zu perplex war um irgendwelche
Entscheidungen zu treffen.
Das machte sie manchmal wenn sie versuchte,
etwas vor mir zu verbergen.
„Was, Alice? Was versteckst du?“
Ich hörte Emmett grummeln. Es frustriete ihn
jedesmal wenn Alice und ich diese Art von
Unterhaltung führten.
Sie schüttelte ihren Kopf und versuchte mich
nicht rein zulassen.
„Geht es um das Mädchen?“ verlangte ich zu
wissen. „Geht es um Bella?“
Sie biss ihre Zähne zusammen vor
Konzentration, aber als ich Bellas Namen
aussprach, rutschte sie ab. Der Ausrutscher
dauerte nur den Bruchteil einer Sekunde, aber
das war lange genug.
„NEIN!“ schrie ich. Ich hörte wie mein Stuhl
auf den Boden aufschlug und erst da bemerkte
ich, dass ich aufgesprungen war.
„Edward!“ Carlisle war auch aufgestanden und
legte seinen Arm auf meine Schulter. Ich nahm
ihn kaum war.
„Es festigt sich,“ flüsterte Alice. „Jede
Minute wirst du entschlossener. Es gibt nur
noch zwei Wege für sie. Der eine oder der
andere, Edward.“
Ich konnte sehen, was sie sah… aber ich
konnte es nicht akzeptieren.
„Nein,“ sagte ich wieder; mein Widerspruch
war kraftlos. Meine Beine fühlten sich dumpf
an und ich musste mich auf dem Tisch

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Re: Midnight Sun

Beitrag  Elle am Fr Jul 03, 2009 8:49 am

abstützen.
„Könnte uns bitte irgendwer in das
Geheiminis einweihen?“ beschwerte sich
Emmett.
„Ich muss gehen,“ flüsterte ich zu Alice und
ignorierte ihn.
„Edward, das Thema haben wir hinter uns,“
sagte Emmett laut. „Das ist der beste Weg um
das Mädchen zum Reden zu bringen. Abgesehen
davon, wenn du weg bist, werden wir nicht mit
Sicherheit wissen, ob sie redet oder nicht.
Du musst bleiben und damit klar kommen.“
„Ich sehe dich nirgendwo hingehen, Edward,“
erklärte mir Alice. „Ich weiß nicht, ob du
noch weggehen kannst.“ Denk darüber nach,
fügte sie stumm hinzu. Denk darüber nach zu
gehen.
Ich verstand was sie meinte. Ja der Gedanke,
das Mädchen nie wieder zu sehen war…
Schmerzhaft. Aber es war nötig. Ich konnte
keine der Zukunftsmöglichkeiten bewilligen zu
der ich sie offensichtlich verdammt hatte.
Ich bin mir nicht sicher wegen Jasper,
Edward, dachte Alice weiter. Wenn du
weggehst, wenn er glaubt sie ist eine Gefahr
für uns…
„Das höre ich nicht,“ wiedersprach ich ihr
und nahm das Publikum um uns herum immer noch
nicht wirklich war. Jasper schwankte. Er
würde nichts tun, dass Alice verletzten
konnte.
Nicht in diesem Moment. Würdest du ihr Leben
riskieren und sie schutzlos zurücklassen?
„Warum tust du mir das an?“ ächzte ich. Mein
Kopf fiel in meine Hände.
Ich war nicht Bellas Beschützer. Das konnte
ich nicht sein. War Alices geteilte Zukunft
für Bella nicht der beste Beweis dafür?

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Re: Midnight Sun

Beitrag  Elle am Fr Jul 03, 2009 8:49 am

Ich liebe sie auch. Oder ich werde. Es ist
nicht dasselbe, aber ich möchte sie hier
haben, damit es passiert.
„Liebe sie auch?“ flüsterte ich ungläubig.
Sie seufzte. Du bist so blind, Edward.
Kannst du nicht sehen, wo du hinsteuerst?
Kannst du nicht sehen, wo du bereits bist? Es
ist unausweichlicher, als die Tatsache, dass
die Sonne im Osten aufgeht. Sieh, was ich
sehe…
Ich schüttelte entsetzt meinen Kopf. „Nein.“
Ich versuchte die Vision auszublenden, die
sie mir offenbarte. „Ich muss diesem Kurs
nicht folgen. Ich werde gehen. Ich werde die
Zukunft ändern.“
„Du kannst es versuchen,“ sagte sie, ihre
Stimme klang skeptisch.
„Ach, kommt schon!“ bellte Emmett.
„Pass doch mal auf,“ zischte Rose ihn an.
„Alice sieht, dass er sich in einen Menschen
verknallt! Das ist so klassisch, Edward!“ sie
gluckste.
Ich hörte sie kaum.
„Was?“ sagte Emmett erschrocken. Dann hallte
sein donnerndes Gelächter durch den Raum.
„Das ist es was hier vor sich geht?“ er
lachte wieder. „Ein krasser Bruch, Edward.“
Ich spürte seine Hand auf meiner Schulter,
und schüttelte sie ab. Ich konnte ihm jetzt
keine Aufmerksamkeit schenken.
„Verknallt sich in einen Menschen?“
widerholte Esme verblüfft. „In das Mädchen,
das er heute gerettet hat? Er verliebt sich
in sie?“
„Was siehst du, Alice? Ganz genau,“
verlangte Jasper zu wissen.
Sie drehte sich zu ihm um; Ich starrte immer
noch benommen auf ihr Profil.

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Re: Midnight Sun

Beitrag  Elle am Fr Jul 03, 2009 8:50 am

„Es hängt alles davon ab, ob er stark genug
ist, oder nicht. Entweder wird er sie selbst
töten“ – sie drehte sie wieder um und
erwiderte meinen Blick, strahlend – „was mich
wirklich irritieren würde, Edward, wenn man
bedenkt, was das für dich bedeuten würde…“
dann wandte sie sich wieder an Jasper, „oder
sie wird eines Tages eine von uns sein.“
Irgendjemand japste; ich schaute nicht auf
um zu sehen, wer es war.
„Das wird nicht passieren!“ Schrie ich
wieder. „Beides nicht!“
Alice schien mich nicht zu hören. „Es kommt
alles darauf an,“ wiederholte sie. „Er wird
vielleicht gerade eben stark genug sein, sie
nicht zu töten – aber es wird knapp. Es wird
eine unglaubliche Selbstkontrolle verlangen,“
sinnierte sie. „Sogar noch mehr als Carlisle
aufbringen kann. Er wird so eben stark genug
sein… Das einzige wofür er nicht stark genug
ist, ist sich von ihr fernzuhalten. Das ist
ein vergeblicher Kampf.“
Ich fand keine Worte. Den anderen schien es
ähnlich zu gehen. Der Raum war stumm.
Ich starrte zu Alice und alle anderen
starrten mich an. Ich konnte meinen eigenen
entsetzten Gesichtsausdruck aus fünf
verschiedenen Blickwinkeln sehen.
Nach einer langen Pause seufzte Carlisle.
„Naja das… macht die Dinge komplizierter.“
„Würd ich auch sagen,“ stimmte Emmett zu.
Seine Stimme klang immer noch belustigt. Man
konnte darauf vertrauen, dass Emmett sogar
den Witz in der Zerstörung meines Lebens
finden würde.
„Ich denke, die Pläne sind immer noch die
selben,“ sagte Carlisle gedankenverloren.
„Wir bleiben und beobachten.

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Re: Midnight Sun

Beitrag  Elle am Fr Jul 03, 2009 8:50 am

Selbstverständlich wird niemand das Mädchen…
verletzten.“
Ich versteifte mich.
„Nein,“ sagte Jasper leise. „Dem kann ich
zustimmen. Wenn Alice nur diese zwei
Möglichkeiten sieht…“
„Nein!“ Meine Stimme war kein Brüllen, oder
Knurren, oder Verzweiflungsschrei, aber
irgendeine Mischung aus allen dreien.
„Nein!“
Ich musste raus, weg von dem Lärm ihrer
Gedanken – Rosalies selbstgefälliger Ekel,
Emmetts Humor, Carlisles nie endende Geduld…
Noch schlimmer: Alice Überzeugung. Jaspers
Überzeugung von dieser Überzeugung.
Am schlimmsten von allen: Esmes… Freude.
Ich stolperte aus dem Raum. Esme berührte
meinen Arm, als ich an ihr vorbei lief, aber
ich beachtete die Geste nicht.
Ich rannte noch bevor ich zur Tür hinaus
war. Ich überquerte den Fluss mit einem Satz
und rannte in den Wald. Der Regen war zurück
und ergoss sich so stark, dass ich innerhalb
weniger Momente durchnässt war. Ich mochte
den dicken Regenvorhang – er zog eine Mauer
zwischen mir und dem Rest der Welt hoch. Sie
umschloss mich, ließ mich allein sein.
Ich rannte nach Osten, über und durch die
Berge ohne von meinem Kurs abzukommen, bis
ich die Lichter von Seattle vor mir sah. Ich
hielt an bevor ich die Grenze zu menschlicher
Zivilisation überschritt.
Eingeschlossen vom Regen, ganz allein, war
ich endlich bereit, mich damit auseinander zu
setzen, was ich angerichtet hatte – wie ich
die Zukunft geteilt hatte.
Zuerst die Vision von Alice und dem Mädchen,
wie sie sich umarmten – das Vertrauen und die

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Re: Midnight Sun

Beitrag  Elle am Fr Jul 03, 2009 8:51 am

Freundschaft waren so offensichtlich, sie
sprangen einen regelrecht an. Bellas große
Schokoladen-Augen waren nicht perplex in
dieser Vision, aber immer noch voller
Geheimnisse – in diesem Moment schienen es
glückliche Geheimnisse zu sein. Sie schreckte
nicht zurück vor Alices kaltem Arm.
Was hatte das zu bedeuten? Wie viel wusste
sie? In diesem Still-Leben der Zukunft, was
dachte sie da über mich?
Dann das andere Bild, fast das gleiche, nun
von Horror gezeichnet. Alice und Bella, ihre
arme immer noch in vertrauter Freundschaft
umeinander gelegt. Aber jetzt gab es keinen
Unterschied zwischen diesen Armen – beide
waren weiß, eben und marmorn, hart wie Stahl.
Bellas große Augen waren nicht mehr
Schokoladenbraun. Die Iris waren schockierend
anschaulich blutrot. Die Geheimnisse darin
waren unergründlich – Akzeptanz oder
Trostlosigkeit? Es war unmöglich zu sagen.
Ihr Gesicht war kalt und unsterblich.
Ich zuckte zusammen. Ich konnte die Frage
nicht unterdrücken, ähnlich, aber anders: Was
hatte es zu bedeuten – wie war es dazu
gekommen? Und was dachte sie jetzt von mir?
Die letzte konnte ich beantworten. Wenn ich
sie in dieses leere halbe Leben zwang,
aufgrund meiner Schwäche und meines Egoismus,
würde sie mich sicher hassen.
Aber da war noch ein entsetzliches Bild –
schlimmer als jedes andere Bild, dass ich je
in meinem Kopf hatte.
Meine eigenen Augen, dunkelrot von
menschlichem Blut, die Augen des Monsters.
Bellas zerstörter Körper in meinen Armen,
aschfahl, ausgesaugt, leblos. Es war so
konkret, so klar.

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Re: Midnight Sun

Beitrag  Elle am Fr Jul 03, 2009 8:52 am

Ich hielt es nicht aus, das zu sehen. Konnte
es nicht ertragen. Ich versuchte es aus
meinen Gedanken zu vertreiben, versuchte
etwas anderes zu sehen, irgendetwas anderes.
Versuchte den Ausdruck auf ihrem lebendigen
Gesicht zu sehen der meine Sicht im letzten
Kapitel meines Lebens blockiert hatte. Alles
vergebens.
Alices trostlose Vision füllte meinen Kopf
aus und ich krümmte mich innerlich aufgrund
der Höllenqualen die sie auslösten.
Währenddessen schäumte das Monster in mir
über vor Freude, jubilierte über die
Wahrscheinlichkeit seines Erfolges. Es machte
mich krank.
Das konnte nicht gestattet werden. Es musste
einen Weg geben, die Zukunft zu überlisten.
Ich würde mich nicht von Alices Visionen
leiten lassen. Ich konnte einen anderen Weg
wählen. Es gab immer eine Wahl.
Es musste eine Wahl geben.

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Re: Midnight Sun

Beitrag  _twilight.<3 am Sa Feb 06, 2010 7:10 pm

Kapitel 5: Ein gefragtes Mädchen
High School. Nicht länger nur Hölle, nun war es die pure Hölle. Qual und Feuer ... ja, ich hatte beides.
Ich tat jetzt alles ganz genau. Jeden "i" Punkt, jedes "t" Strich. Niemand konnte sich beklagen, daß ich mich vor meinen Pflichten drücken würde.
Um Esme zu erfreuen und die anderen zu beschützen blieb ich in Forks. Ich folgte wieder meinem alten Plan. Ich jagte nicht mehr als der Rest meiner Familie. Jeden Tag besuchte ich die Schule und spielte einen Menschen. Jeden Tag hörte ich vorsichtig zu, ob es etwas neues über die Cullens zu berichten gab - es gab niemals etwas neues. Das Mädchen hatte keine ihrer Verdächtigungen ausgesprochen. Sie erzählte nur immer und immer wieder die gleiche Geschichte - daß ich neben ihr gestanden hatte und sie aus dem Weg gerissen hatte - sogar ihre begierigsten Zuhörer langweilten sich nach kurzer Zeit und hörten auf nach weiteren Details zu fragen. Es gab keine Gefahr. Meine hastige Tat hatte keinen verletzt.
Niemanden außer mich.
Alice hatte gesagt, daß ich nicht stark genug sein würde um mich von dem Mädchen fernzuhalten. Ich würde ihr das Gegenteil beweisen.
Ich hatte gedacht, daß der erste Tag der härteste werden würde. Am Ende des Tages war ich sicher gewesen, daß das der Fall war. Ich lag natürlich falsch.
Es hatte mich gewurmt, wissend, daß ich das Mädchen verletzen würde. Ich hatte mir selbst eingeredet, daß ihr Schmerz nicht mehr als ein Nadelstich für sie wäre - nur ein kleiner Stich der Abweisung - im Gegensatz zu meinem. Bella war menschlich, und sie wußte daß ich etwas anderes war, etwas falsches, etwas fürchterliches. Sie wäre wahrscheinlich eher erleichtert als verletzt, wenn ich mich von ihr wegdrehen würde und mir vortäuschte, daß sie garnicht existieren würde.
"Hallo, Edward." begrüßte sie mich, am ersten Tag nach dem Unfall in Biologie. Ihre Stimme war liebenswürdig, freundlich, um 180 Grad gedreht seit dem letzten Mal, als ich mich mit ihr unterhalten hatte.
Warum? Was hatte dieser Wandel zu bedeuten? Hatte sie alles vergessen? Beschlossen, sich das Ganze nur eingebildet zu haben? Hatte sie mir vergeben, obwohl ich mein Versprechen ihr die Wahrheit zu erzählen nicht gehalten hatte?
Die Frage hatte genauso gebrannt, wie der Durst der mich bei jedem Atemzug den ich machte angriff. Nur einen Moment um ihr in die Augen zu sehen. Nur um zu sehen, ob ich die Antworten dort lesen könnte ...
Nein. Das konnte ich mir nicht erlauben. Nicht wenn ich die Zukunft verändern wollte.
Ich drehte mein Kinn nur ein kleines Stück in ihre Richtung, ohne den Blick vom vorderen Teil des Klassenraumes zu wenden. Ich nickte kurz, und drehte mich dann wieder geradeaus zur Tafel.
Sie sprach mich nicht noch einmal an.
An diesem Nachmittag, sobald die Schule zu Ende gewesen war, meine Rolle gespielt, rannte ich erneut nach Seattle, genau wie am Tag zuvor. Es sah so aus, als könnte ich mit dem Schmerz ein wenig besser umgehen, wenn ich über den Boden flog und alles um mich herum in ein grüne Unschärfe verwandelte.
Dieser Lauf wurde zu meiner täglichen Angewohnheit.
Liebte ich sie? Nein, das glaubte ich nicht. Noch nicht. Alice´s flüchtige Blicke in diese Zukunft steckten immer noch in meinen Gedanken, und ich konnte sehen wie einfach es war sich in Bella zu verlieben. Es wäre genau wie sich ´fallen zu lassen`: mühelos. Mich selbst dazu zu zwingen sie nicht zu lieben, war das genaue Gegenteil von ´sich fallen lassen` - es war wie mich selbst auf ein Klippenrand zu ziehen, ein Kampf mit sich selbst, die Aufgabe so zermürbend, als hätte ich nichts mehr, als tödliche Stärke.
Mehr als ein Monat war nun vergangen, und jeden Tag wurde es härter. Das hatte keine Bedeutung für mich - ich versuchte darüber hinwegzukommen, bis es einfacher werden würde. Das war, was Alice gemeint hatte, als sie mir predigte, daß ich nicht in der Lage sein würde, mich von dem Mädchen fernzuhalten. Sie hatte die Steigerung des Schmerzes vorhergesehen. Aber ich konnte mit Schmerz umgehen.
Ich würde Bella´s Zukunft nicht zerstören. Wenn es vorherbestimmt war sie zu lieben, war dann sie zu meiden nicht das allerletzte was ich tun konnte?
Sie zu meiden war das Limit von dem was ich geradenoch ertrug. Ich konnte versuchen sie zu ignorieren, und sie niemals anzusehen. Ich konnte so tun, als ob sie nicht von Interesse für mich wäre. Aber das war nur Täuschung und nicht die Wirklichkeit.
In Wirklichkeit war ich besessen von jedem Atemzug den sie tat, jedem Wort das sie sagte.
Ich stückelte meine Qualen in vier Kategorien.
Die ersten beiden waren mir bekannt. Ihr Duft und ihre Stille. Oder besser gesagt - die Verantwortungen mit denen ich umgehen mußte - mein Durst und meine Neugierde.
Die dritte war die wesentlichste meiner Qualen. Es war jetzt meine Angewohnheit nicht mehr in den Biologiestunden zu atmen. Natürlich mußte ich Ausnahmen machen - wenn ich eine Frage beantworten mußte oder etwas in der Art, und ich brauchte meinen Atem um zu antworten. Jedes Mal wenn ich die Luft in ihrer Nähe schmeckte, war es genau wie am ersten Tag - Feuer, Not und brutale Gewalt, verzweifelt versuchte ich mich davon zu befreien. Es war schwer sich zusammenzureißen, sich auf den Grund dafür zu konzentrieren, in diesen Momenten. Und genau wie am ersten Tag, brüllte das Monster in mir, so nahe an der Oberfläche ...
Die Neugier war die beständigste meiner Qualen. Diese Frage wich niemals aus meinen Gedanken: Was denkt sie gerade? Wenn ich ihre stillen Seufzer hörte. Wenn sie abwesend eine Haarlocke in ihren Fingern drehte. Wenn sie ihre Bücher mit mehr Kraft als nötig hinwarf. Wenn sie zu spät zum Unterricht lief. Wenn sie mit ihrem Fuß ungeduldig auf den Boden klopfte. Jede Bewegung gefangen in meinem peripheren Sehen war ein unerträgliches Geheimnis. Wenn sie mit den anderen menschlichen Mitschülern sprach, analysierte ich jedes Wort und jeden Ton. Würde sie ihre Gedanken aussprechen, oder sollte sie sagen was sie dachte? Es hörte sich oft für mich so an, als würde sie versuchen zu sagen was ihr Gesprächspartner erwartete, und daß erinnerte mich an mich und meine Familie und unserem täglichen Leben von Illusion - wir waren besser darin, als sie es war. Vielleicht lag ich auch falsch, und bildete es mir nur ein. Warum sollte sie eine Rolle spielen? Sie war eine von ihnen - ein menschlicher Teenager.
Mike Newton war die überraschendste meiner Qualen. Wer hätte sich je erträumt, daß solch ein gewöhnlicher, langweiliger Sterblicher so überaus ärgerlich sein könnte? Um gerecht zu bleiben, ich sollte etwas Dankbarkeit für den lästigen Jungen fühlen; mehr als zu allen anderen, er brachte sie zum sprechen. Ich lernte so viel über sie während dieser Gespräche - ich konnte meine Liste weiter zusammenstellen - aber, im Gegenzug, bereitete Mike´s Hilfe bei diesem Projekt mir noch mehr körperliche Schmerzen. Ich wollte nicht das Mike derjenige war, der ihre Geheimnisse entschlüsselte. Ich wollte derjenige sein.
Es half, daß er niemals ihre kleinen Enthüllungen wahrnahm, ihre kleinen Fehler. Er wußte nichts über sie. Er hatte sich in seinem Kopf eine Bella erschaffen, die garnicht existierte - ein Mädchen, genauso gewöhnlich wie er es war. Er hatte nicht die Selbstlosigkeit und die Tapferkeit bemerkt, die sie von anderen Menschen unterschied, er hörte nicht die unnormale Reife ihrer gesprochenen Gedanken. Er bemerkte nicht wenn sie von ihrer Mutter sprach, daß sie sich anhörte wie ein Erwachsener der über sein Kind sprach, als umgekehrt - liebend, nachsichtig, leicht amüsiert, und auf´s heftigste beschützend. Er hörte nicht die Geduld in ihrer Stimme, wenn sie so tat als interessierte sie sich für seine weitläufigen Geschichten, und sah nicht die Freundlichkeit die hinter dieser Geduld steckte.
Durch ihre Gespräche mit Mike, war ich in der Lage, ihre allerwichtigsten Eigenschaften meiner Liste hinzuzufügen, vor allen die aufschlussreichste, so einfach und dennoch so selten. Bella war gut. Alle anderen Dinge addierend ergaben das Ganze - freundlich und übertrieben bescheiden und selbstlos und liebenswürdig und tapfer - sie war durch und durch gut.
Die hilfreichen Enthüllungen brachten mich dennoch nicht dazu ihn zu mögen. Mit diesem besitzergreifenden Blick, mit dem er Bella ansah - als wäre sie ein Gewinn den man machen müßte - provozierte er mich noch mehr, als mit seinen geschmacklosen Phantasien die er über sie hatte. Er wurde sich zu zuversichtlich was sie anging, während die Zeit verging, und es so aussah, als würde sie ihn den anderen, die er als seine Rivalen betrachtete, bevorzugen - Tyler Crowley, Eric Yorkie, und sogar, zeitweilig, mich selbst. Er würde routinemäßig auf unserem Tisch sitzen bevor die Stunde anfing, quasselnd mit ihr, ermutigt durch ihr Lächeln. Nur höfliches Lächeln, sagte ich mir selbst. Trotzdem, ich amüsierte mich öfters über meine Vorstellung ihn rückwärts durch den Raum an die Wand zu werfen ... es würde ihn wahrscheinlich nicht schlimm verletzen ...
Mike sah mich nicht oft als Rivalen an. Nach dem Unfall befürchtete er, daß es Bella und mich verbinden würde, aufgrund der gemeinsamen Erfahrung, aber offensichtlich war es genau andersherum. Zu der Zeit war er geplagt davon, daß ich Bella´s Aufmerksamkeit auf mich ziehen könnte. Aber jetzt ignorierte ich sie, genauso gründlich wie die anderen, und das ließ seine Selbstzufriedenheit zunehmen.
Was dachte sie jetzt? Mochte sie seine Beachtung?
Und natürlich, die letzte meiner Qualen, die schmerzlichste von allen: Bella´s Gleichgültigkeit.
Als ich sie ignorierte, ignorierte sie mich auch. Sie hatte nicht wieder versucht mit mir zu sprechen. Soweit ich wußte, dachte sie überhaupt nicht mehr an mich.
Das machte mich verrückt - oder brachte mich dazu meine Entschlossenheit ihre Zukunft ändern zu wollen, zu brechen - abgesehen davon, daß sie mich manchmal anstarrte, genau wie vorher. Ich sah es nicht selbst, ich konnte es mir nicht erlauben sie selbst anzusehen, aber Alice warnte uns immer kurz bevor sie uns anstarrte; die anderen waren immer noch ängstlich über ihre problematischen Kenntnisse. Die Blicke, die sie mir aus einiger Entfernung zuwarf, machten den Schmerz ein wenig erträglicher, ab und zu jedenfalls. Natürlich könnte es auch nur sein, weil sie sich wunderte was für ein Freak ich doch war.
"Bella wird in einer Minute Edward anstarren. Guckt normal," sagte Alice an einem Dienstag im März, und die anderen bewegten sich behutsam und verlagerten ihr Gewicht genau wie Menschen; absolute Stille war ein Zeichen unserer Art.
Es erregte meine Aufmerksamkeit wie oft sie in meine Richtung sah. Es freute mich, obwohl es das nicht sollte, daß die Häufigkeit ihrer Blicke während der vergangen Zeit nicht abgenommen hatte. Ich wußte nicht, was es zu bedeuten hatte, aber es half mir, mich ein wenig besser zu fühlen.
Alice seufzte. > Ich wünschte ... <
"Lass es sein, Alice." sagte ich seufzend. "Es wird nicht passieren."
Sie zog einen Schmollmund. Alice war besorgt wegen ihrer vorhergesehenen Freundschaft mit Bella. Auf eine unbekannte Weise vermißte sie das Mädchen welches sie garnicht kannte.
> Ich muß zugeben, du bist besser als ich dachte. Du hast die Zukunft durcheinander gebracht und sie wieder sinnlos werden lassen. Ich hoffe du bist glücklich. <
"Es bedeutet mir eine Menge."
Sie schnaubte leicht.
Ich versuchte sie zu ignorieren, ich war zu ungeduldig für Gespräche. Ich war in keiner guten Stimmung - es war besser sie es nicht wissen zu lassen. Nur Jasper wußte wie zugeschnürt ich war, er fühlte den Stress der aus mir hervorging. Mit seinem einzigartigen, beidseitigem Sinn konnte er so etwas spüren und auch die Launen der Anderen beeinflussen. Er verstand die Gründe für diese Launen natürlich nicht, und - da ich schon lange konstant schlechte Laune hatte - beachtete er sie nicht.
Heute würde ein harter Tag werden. Härter noch als der Tag zuvor, als wäre es ein Muster. Mike Newton, der verhasste Junge, dem ich es nicht gestatten durfte mein Rivale zu sein, war dabei Bella um ein Date zu bitten.
Bald würde es eine Damenwahltanzveranstaltung geben, und er hatte stark gehofft, daß Bella ihn fragen würde. Das sie es immer noch nicht getan hatte, nagte an seiner Zuversicht. Nun war er in einer unbequemen Lage - ich genoss seine Unannehmlichkeiten mehr als ich sollte - weil Jessica Stanley ihn schon wegen dem Tanz gefragt hatte. Er wollte noch nicht "Ja" sagen, immer noch hoffend das Bella ihn fragen würde (und ihn als Sieger über seine Rivalen stellte), aber er wollte auch nicht "Nein" sagen, um am Ende niemanden zu haben und nicht zu dem Tanz gehen zu können. Jessica, verletzt wegen seinem Zögern, und den Grund dafür vermutend, zerfleischte Bella in Gedanken. Ich hatte schon wieder das Bedürfnis, mich zwischen Jessica´s wütende Gedanken und Bella zu stellen. Ich verstand dieses Bedürfnis jetzt besser, aber es machte es nur noch frustrierender, weil ich nichts tun konnte.
Ich hätte nie geglaubt, daß es je dazu kommen würde! Ich war vollkommen fixiert an den belanglosen High School Dramen, die ich damals immer so Verachtet hatte.
Mike beruhigte seine Nerven, während er mit Bella zu Biologie ging. Ich hörte auf seine inneren Kämpfe, während ich darauf wartete daß sie den Klassenraum betraten. Der Junge war schwach. Er hatte absichtlich auf diesen Tanz gewartet, besorgt, seine Verliebtheit preiszugeben bevor sie ihm nicht ein Zeichen von Zuneigung zeigen würde. Er wollte nicht angreifbar für ihre Reaktionen sein, er wollte daß sie den ersten Schritt machte.
Feigling.
Er setzte sich wieder auf unseren Tisch, sich wohl fühlend wegen der langen Vertrautheit, und ich stellte mir das Geräusch vor, welches sein Körper machen würde, wenn er die gegenüberliegende Wand mit genug Kraft treffen würde und die meisten seiner Krochen zum brechen bringen würde.
"Was ich dir sagen wollte," sagte er zu ihr, mit gesenktem Blick. "Jessica hat mich gefragt, ob ich mit ihr zu Frühjahrsball gehe."
"Echt? Toll!" antwortete sie heiter und enthusiastisch. Es war schwer nicht zu Lächeln, als ihre Worte Mike´s Selbstbewusstsein sinken ließen. Er hatte gehofft sie wäre bestürzt. "Ihr habt bestimmt einen super Abend zusammen."
Er wand sich feige für die richtige Antwort. "Na ja, die Sache ist ... ich hab ihr gesagt, ich weiß noch nicht."
"Warum das denn?" forderte sie. Ihr Ton war missbilligend, aber da war auch ein blasse Andeutung von Befreiung zu hören.
Was bedeutete das? Eine unerwartete, intensive Wut ließ mich meine Hände zu Fäusten ballen.
Mike hörte die Andeutung nicht. Sein Gesicht war knallrot geworden - mich plötzlich wütend fühlend, sah das aus wie eine Einladung für mich - und er schaute wieder zu Boden als er weiter sprach.
"Ich war mir nicht sicher ... also, ob du nicht vielleicht vorhattest, mich zu fragen."
Bella verstummte.
In diesem Moment ihrer Verstummung, sah ich die Zukunft noch klarer als Alice es jemals getan hatte.
Das Mädchen würde jetzt vielleicht ja sagen zu Mike´s unausgesprochener Frage, und wenn sie es nicht täte, wäre es auch egal, eines Tages in nicht allzu ferner Zeit, würde sie ja sagen zu jemandem. Sie war liebenswürdig und faszinierend, und menschliche Männer waren sich über diese Tatsachen nicht bewußt. Was auch immer sie gut an ihm finden würde, an so einen langweiligen Feigling, oder ob sie warten würde bis sie aus Forks weggehen könnte, der Tag würde kommen an dem sie ja sagen würde.
Ich sah ihr Leben, wie ich es zuvor schon gesehen hatte - College, Kariere ... Liebe, Heirat. Ich sah sie wieder am Arm ihre Vaters, ganz in weiß, ihr Gesicht erfüllt von Glück während sie zu den Klängen von Wagner´s Hochzeitsmarsch voranschritt.
Dieser Schmerz war noch größer, als alles was ich bis dahin je gefühlt hatte. Ein Mensch würde wohl solchen Schmerz an dem Punkt wo er starb fühlen - ein Mensch würde ihn nicht durchleben müssen.
Und nicht nur Schmerz, sondern völlige Wut.
Die Wut sehnte sich nach einer körperlichen Befreiung. Schließlich wäre dieser bedeutungslose, unwürdige Junge ja nicht derjenige, zu dem Bella ja sagen würde, ich stellte mir vor seinen Kopf in meiner Hand zu zerschmettern, als Beispiel für etwas, wofür auch immer es stehen würde.
Ich verstand dieses Gefühl nicht - es war solch eine Durcheinander von Schmerz und Wut und Begierde und Verzweiflung. So etwas hatte ich noch niemals zuvor gefühlt; ich fand keine Worte dafür.
"Mike, ich finde du solltest ihr zusagen." sagte Bella in einem freundlichen Ton.
Mike´s Hoffnungen stürzten ein. Ich hätte es unter anderen Unständen genossen, aber ich war immer noch in dem Schmerz gefangen - und in der Reue über das, was mir der Schmerz und die Wut angetan hatten.
Alice hatte Recht. Ich war nicht stark genug.
Genau jetzt würde Alice sehen, wie sich die Zukunft wieder stabilisieren und verfestigen würde, sie wieder eine Rolle spielen würde. Würde sie es glücklich machen?
"Hast du schon jemand anderen gefragt?" fragte Mike plötzlich. Er blickte mich misstrauisch an, zum ersten mal seit vielen Wochen. Ich realisierte, daß ich mein Interesse bekundete; mein Kopf war in Bella´s Richtung geneigt.
Der ausgelassene Neid in seinen Gedanken - Eifersucht für etwas, was auch immer das Mädchen ihm vorzog - plötzlich hatte ich einen Ausdruck für meine namenlosen Gefühle.
Ich war eifersüchtig.
"Nein," sagte sie mit einer Spur vom Humor in ihrer Stimme. "Ich gehe überhaupt nicht zum Ball."
Durch all die Reue und Wut, fühlte ich eine Erleichterung bei ihren Worten. Plötzlich beachtete ich meine Rivalen.
"Warum denn nicht?" fragte Mike mit einem unfreundlichen Ton. Es beleidigte mich, daß er in diesem Ton mit ihr sprach. Ich hielt ein Grollen zurück.
"Das ist der Samstag an dem ich nach Seattle fahre," antworte sie.
Die Neugier war nicht so fürchterlich wie sie es zuvor gewesen war - nun, da ich absolut interessiert daran war, die Antworten für alles herauszufinden. Ich würde die warum´s und weshalb´s dieser neuen Enthüllungen schnell genug wissen.
Mike´s Ton wurde unverschämt anbettelnd. "Kannst du das nicht auf ein anderes Wochenende verschieben?"
"Nein, tut mir leid." sagte Bella brüsk. "Und du solltest Jess auch nicht länger warten lassen - das ist unhöflich."
Ihre Besorgnis für Jessica´s Gefühle fachte die Flammen meiner Eifersucht an. Dieser Seattle Ausflug war natürlich eine Entschuldigung um nein zu sagen - wies sie ihn bloß aus Loyalität zu ihrer Freundin ab? Sie war mehr als selbstlos genug dafür. Wünschte sie sich, sie könnte ja sagen? Oder waren beide Vermutungen falsch? War sie an jemandem anderen interessiert?
"Ja, du hast Recht." murmelte Mike, so entmutigt, daß ich beinahe Mitleid empfand. Beinahe.
Er wandte seine Augen von dem Mädchen ab, meinen Blick von ihrem Gesicht in seinen Gedanken abschneidend.
Ich würde das nicht aushalten.
Ich drehte mich zu ihr, um ihr Gesicht selbst zu lesen, zum allerersten Mal nach mehr als über einem Monat. Es war eine scharfe Erleichterung mir das selbst zu erlauben, wie ein schnappen nach Luft für menschliche Lungen, die zu lange unter Wasser gewesen waren.
Ihre Augen waren geschlossen, und sie presste ihre Hände an die Seiten ihrer Stirn. Ihre Schultern hingen nach innen. Sie schüttelte ihren Kopf ganz leicht, als ob sie versuchte etwas aus ihren Gedanken zu schütteln.
Frustrierend. Faszinierend.
Mr Banner´s Stimme riss sie aus ihrer Träumerei, und ihre Augen öffneten sich langsam.
Sie schaute mich sofort an, und versuchte meinen Blick zu deuten. Sie starrte in meine Augen, mit dem gleichen verblüfften Ausdruck, der mich so lange verfolgt hatte.
Ich fühlte weder die Reue oder die Schuld oder die Wut in dieser Sekunde. Ich wußte, sie würden wiederkommen, und das bald, aber in diesem kurzen Augenblick erfuhr ich eine fremde, nervöse Hochstimmung. Als ob ich gesiegt hätte, eher als verloren.
Sie schaute nicht weg, obwohl ich sie mit unangemessener Intensität anstarrte, vergeblich versuchend ihre Gedanken durch ihre flüssigen braunen Augen zu lesen. Sie waren voll von Fragen, anstatt von Antworten.
Ich konnte die Spiegelung meiner eigenen Augen sehen, und ich sah, daß sie schwarz vor Durst waren. Es war jetzt ungefähr zwei Wochen her seid meinem letzten Jagdausflug; das war nicht der sicherste Tag für meinen Willen, um zu bröckeln. Aber die Schwärze schien sie nicht zu ängstigen. Sie schaute immer noch nicht weg, und ein sanftes, umwerfendes, reizvolles Pink begann ihre Haut zu verfärben.
Was dachte sie jetzt?
Ich fragte die Frage beinahe laut, aber in diesem Moment rief Mr Banner meinen Namen. Ich nahm die richtige Antwort aus seinen Gedanken während ich kurz in seine Richtung sah.
Ich atmete kurz ein. "Der Krebs-Zyklus."
Durst verbrannte meine Kehle - verkrampfte meine Muskeln und füllte meinen Mund mit Gift - ich schloß meine Augen, uns versuchte mich zu konzentrieren, während das Verlangen nach ihrem Blut in meinem Inneren wütete.
Das Monster war stärker als zuvor. Das Monster jubelte. Es begrüßte diese zweigeteilte Zukunft die ihm eine ausgeglichene fünfzig-fünfzig Chance gab, die es so teuflisch gegehrte. Die dritte, wackelige Zukunft, die ich versucht hatte allein mit Willensstärke zu erschaffen, zerbröckelte - zerstört durch gewöhnliche Eifersucht, wegen all dieser Dinge - und es war so viel näher an seinem Ziel. Die Reue und die Schuld brannten mit dem Durst, und wäre ich in der Lage gewesen Tränen zu bilden, würden diese jetzt meine Augen füllen.
Was hatte ich nur getan?
Wissend, daß ich den Kampf schon verloren hatte, gab es jetzt keinen Grund mehr dem zu widerstehen was ich wollte; ich drehte mich seitlich, um das Mädchen erneut anzustarren.
Sie hatte sich hinter ihren Haaren versteckt, aber ich konnte durch eine Lücke ihrer Locken sehen, daß ihre Wangen jetzt tief blutrot waren.
Das Monster mochte das.
Sie erwiderte meinen Blick nicht, aber sie drehte eine Strähne ihrer dunklen Haare nervös zwischen ihren Fingern umher. Ihre zarten Finger, ihre zerbrechlichen Handgelenke - sie waren so zerbrechlich, als könnte ich sie mit meinem bloßen Atem zerbrechen.
Nein, nein, nein. Ich durfte das nicht. Sie war zu zerbrechlich, zu gut, zu wertvoll, um dieses Schicksal zu verdienen. Ich durfte meinem Leben nicht erlauben mit ihrem Leben aufeinander zu prallen, es zu zerstören.
Aber ich konnte ihr auch nicht mehr fernbleiben. Alice hatte Recht was das anging.
Das Monster in mir fauchte frustriert als ich schwankte, zuerst dem einen Weg zugeneigt, dann dem anderem.
Meine kurze Stunde mit ihr verging viel zu schnell, während ich schwankte und in der Klemme saß. Es klingelte, und sie fing an ihre Sachen zusammenzuräumen, ohne mich anzusehen. Das enttäuschte mich, aber ich konnte sie verstehen. Die Art und Weise wie ich sie behandelt hatte nach dem Unfall war unentschuldbar.
"Bella?" sagte ich, unfähig mich zu stoppen. Meine Willenskraft lag ohnehin schon in Fetzen.
Sie zögerte bevor sie mich ansah; als sie sich umdrehte, war ihr Ausdruck zurückhaltend, misstrauisch.
Ich erinnerte mich daran, daß sie jedes Recht hatte misstrauisch zu sein. Daß sie das auch sollte. Sie wartete darauf daß ich fortfuhr, aber ich starrte sie nur an, ihr Gesicht lesend. Ich zog die Luft in kurzen regelmäßigen Interwallen ein, gegen meinem Durst ankämpfend.
"Was ist? Sprichst du wieder mit mir?" Da war eine Spur von Verbitterung in ihrer Stimme, genau wie ihr Ärger, liebenswert. Es brachte mich dazu lächeln zu wollen.
Ich war mir nicht sicher wie ich ihre Frage beantworten sollte. Würde ich wieder mit ihr sprechen, in dem Sinn wie sie es meinte?
Nein. Nicht wenn ich könnte. Ich würde es versuchen.
"Nein, eigentlich nicht," sagte ich zu ihr.
Sie schloß ihre Augen, was mich frustrierte. Es nahm mir die beste Möglichkeit auf die Einsicht ihrer Gefühle. Sie nahm einen langen, langsamen Atemzug ohne ihre Augen zu öffnen. Sie hatte die Zähne zusammengebissen.
Ihre Augen waren immer noch geschlossen als sie weitersprach. Sicherlich, das war kein normales menschliches Verhalten für eine Unterhaltung. Warum tat sie das?
"Was willst du dann, Edward?"
Der Klang meines Namens von ihren Lippen tat fremdartige Dinge mit meinem Körper. Wenn ich einen Herzschlag gehabt hätte, wäre er jetzt beschleunigt.
Aber was sollte ich antworten?
Mit der Wahrheit, beschloss ich. Ich würde ab jetzt so aufrichtig wie möglich zu ihr sein. Ich wollte nicht ihr Misstrauen verdienen, wenn es möglich war ihr Vertrauen zu gewinnen.
"Es tut mir leid," sagte ich zu ihr. Das war wahrer als sie es jemals wissen würde. Unglücklicherweise konnte ich mich nur für die einfachen, unbedeutenden Dinge entschuldigen. "Ich weiß, daß ich mich sehr unhöflich verhalte. Aber es ist besser so, wirklich."
Es wäre besser für sie, wenn ich das täte, weiterhin unfreundlich zu sein. Könnte ich das?
Ihre Augen öffneten sich, ihr Ausdruck immer noch vorsichtig.
"Ich hab nicht die geringste Ahnung, wovon du sprichst."
Ich versuchte, so weit es mir möglich war, sie zu warnen. "Es ist besser, wenn wir nicht befreundet sind." Sicherlich würde sie die Bedeutung verstehen. Sie war ein intelligentes Mädchen. "Glaub mir."
Ihre Augen verengten sich, und ich erinnerte mich daran, daß ich diese Worte schon einmal zu ihr gesagt hatte - kurz bevor ich ein Versprechen gebrochen hatte. Ich zuckte zusammen als sie ihre Zähne zusammenbiss - sie erinnerte sich natürlich auch daran.
"Nur blöd, daß dir das nicht früher aufgefallen ist," sagte sie verärgert. "Dann müsstest du jetzt nicht alles so schrecklich bereuen."
Ich starrte sie schockiert an. Was wußte sie über mein Bedauern?
"Bereuen? Was denn bereuen?" verlangte ich.
"Daß du nicht einfach zugesehen hast, wie der blöde Van mich zermatscht!" blaffte sie.
Ich erstarrte, fassungslos.
Wie konnte sie das nur denken? Ihr Leben zu retten war die einzigste akzeptable Sache, die ich getan hatte, seid ich sie getroffen hatte. Das Einzigste, worüber ich nicht beschämt war. Das absolut Einzigste, was mich froh sein ließ, überhaupt zu existieren. Ich kämpfte darum sie am Leben zu lassen, seid dem ich ihren Duft das erste Mal wahrgenommen hatte. Wie konnte sie so etwas über mich denken? Wie konnte sie sich erdreisten meine eigene gute Handlung in all diesem Durcheinander in Frage zu stellen?
"Du glaubst, ich bereue es, dir das Leben gerettet zu haben?"
"Ich weiß es," fauchte sie.
Ihre Einschätzung über meine Absichten ließen mich kochen vor Wut. "Gar nichts weißt du."
Wie verwirrend und unverständlich ihre Denkweise war! Sie dachte nicht in der gleichen Weise, wie andere Menschen es taten. Das mußte die Erklärung für ihre gedankliche Stille sein. Sie war vollkommen anders.
Sie drehte abrupt ihr Gesicht weg, und biß die Zähne wieder aufeinander. Ihre Wangen waren rot, aber diesesmal wegen ihrer Wut. Sie warf ihre Bücher auf einen Haufen, nahm sie in die Arme und marschierte Richtung Tür ohne mich erneut anzusehen.
Obwohl ich so irritiert war, war es unmöglich ihren Ärger ein bisschen unterhaltsam zu finden.
Sie ging steif, ohne darauf zu achten wo sie langging, und ihr Fuß blieb an der Türschwelle hängen. Sie stolperte, und ihre Bücher fielen zu Boden. Anstatt sich zu bücken um sie aufzuheben, blieb sie stur stehen, nicht nach unten sehend, als ob sie sich nicht sicher war, daß die Bücher es wert waren aufgehoben zu werden.
Ich versuchte nicht zu Lachen.
Niemand war mehr da der mich sehen konnte; ich flitzte zu ihr, und hob die Bücher auf, bevor sie nach unten schaute.
Sie hatte sich schon halb gebeugt, sah mich, und erstarrte. Ich gab ihr ihre Bücher zurück, wobei ich darauf achtete, daß meine eiskalte Haut sie nicht berührte.
"Danke," sagte sie mit einer kalten, ernsten Stimme.
Ihr Ton irritierte mich erneut.
"Keine Ursache," sagte ich genauso kalt.
Sie erhob sich wieder und ging stolpernd zu ihrer nächsten Stunde.
Ich beobachtete sie solange, bis sie nicht mehr zu sehen war.
Die Spanischstunde verging in völliger Unwissenheit. Mrs Goff wunderte sich niemals über meine Geistesabwesenheit - sie wußte das mein Spanisch besser war als ihres - und sie gab mir eine große Menge Freiheit - sie ließ mich in Ruhe um frei zu denken.
So, ich konnte das Mädchen also nicht ignorieren. Das war offensichtlich. Aber bedeutete das, daß ich keine andere Wahl hatte als sie zu zerstören? Das durfte nicht die einzige mögliche Zukunft für sie sein. Es mußte eine andere Möglichkeit geben, eine bessere Fassung. Ich versuchte es mir vorzustellen ...
Ich beachtete Emmett nicht wirklich, bis kurz vor Schluss der Stunde. Er war neugierig - Emmett wußte nicht viel über die unterschiedlichen Launen eines anderen, aber er konnte den deutlichen Wechsel in mir sehen. Er wunderte sich, was wohl passiert war, und was dazu geführt hatte den unnachgiebigen finsteren Blick von meinem Gesicht verschwinden zu lassen. Er wußte nicht genau, wie er meinen Gesichtsausdruck definieren sollte, und beschloss letztendlich das ich hoffnungsvoll aussah.
Hoffnungsvoll? Sah ich wirklich äußerlich so aus?
Ich dachte über die Idee von Hoffnung nach, als wir zum Auto gingen, verwundert darüber, auf was genau ich hoffen sollte.
Aber ich kam nicht lange zum Nachdenken. Ich war sehr sensibel auf Gedanken, die um das Mädchen kreisten eingestellt, der Klang von Bella´s Namen in den Köpfen von ... von meinen Rivalen ließ mich aufhorchen, und zog meine Aufmerksamkeit auf sich. Eric und Tyler hatten - mit viel Befriedigung - von Mike´s Erfolglosigkeit gehört, und bereiteten sich jetzt darauf vor es selbst zu versuchen.
Eric war schon da, er lehnte an ihrem Truck, wo sie ihm nicht aus dem Weg gehen konnte. Tyler´s Klasse war später aus dem Unterricht gekommen, aufgehalten durch ein Klassenprojekt, und er beeilte sich sehr um sie noch zu erwischen bevor sie verschwand.
Das mußte ich sehen.
"Warte hier auf die anderen, ok?" murmelte ich zu Emmett.
Er sah mich überrascht an, zuckte dann aber mit den Achseln und nickte.
> Der Junge hat seinen Verstand verloren, < dachte er amüsiert bei meiner merkwürdigen Bitte.
Ich sah Bella aus der Sporthalle kommen, ich wartete an einer Stelle wo sie mich nicht sehen würde, wenn sie vorbeiging. Als sie sich Eric näherte, ging ich weiter Richtung Parkplatz, so daß ich genau im Richtigen Moment an ihnen vorbeigehen würde.
Ich sah wie sich ihr Körper versteifte, als sie den Jungen an ihren Auto auf sie warten sah. Sie erstarrte für einen Moment, entspannte sich dann und ging weiter.
"Hi, Eric." Hörte ich sie mit freundlicher Stimme sagen.
Ich war plötzlich und unerwartet ängstlich. Was wäre wenn dieser schlaksige Teenager mit pickliger Haut jemand war den sie anziehend fand?
Eric schluckte laut, sein Kehlkopf bewegte sich ruckartig. "Hi, Bella."
Sie bemerkte seine Nervosität nicht.
"Was gibt´s?" fragte sie, als sie das Auto aufschloss, ohne auf seinen verängstigten Ausdruck zu achten.
"Äh, ich wollte dich fragen ... ob du vielleicht Lust hättest, zum Frühjahrsball zu gehen ... mit mir." Seine Stimme versagte.
Endlich sah sie auf. War sie aus der Fassung gebracht worden, oder erfreut? Eric schaute sie nicht an, deshalb konnte ich ihr Gesicht in seinen Gedanken nicht sehen.
"Ich dachte, es ist Damenwahl?" Sagte sie, nervös klingend.
"Ja, stimmt," sagte er betreten.
Dieser bemitleidenswerte Junge irritierte mich nicht so sehr wie Mike Newton es tat, aber ich fühlte in mir keine Sympathie für seine Angst, bis Bella ihm in einem freundlichen Ton antwortete.
"Danke für deine Einladung, aber ich bin an dem Tag in Seattle."
Das hatte er schon gehört; dennoch, es war eine Enttäuschung.
"Oh," murmelte er, kaum mutig genug seine Augen bis auf die Höhe ihrer Nase zu heben. "Na ja, vielleicht ein andermal."
"Klar," sagte sie. Dann biß sie sich auf die Lippe, als ob sie es bedauerte ihm einen Ausweg aus der Klemme gelassen zu haben. Ich mochte das.
Eric´s Schultern sackten zusammen und er ging weg, genau in die entgegengesetzte Richtung zu seinem Auto, sein einziger Gedanke war zu entfliehen.
Ich ging genau in diesem Moment an ihr vorbei, und hörte ihr Seufzen von Erleichterung. Ich lachte.
Sie wirbelte herum bei diesem Geräusch, aber ich starrte stur geradeaus, und versuchte meine Lippen daran zu hindern sich zu einem Lächeln zu formen.
Tyler war hinter mir, er rannte bereits in seiner Eile sie noch zu erwischen, bevor sie wegfahren würde. Er war wagemutiger und selbstsicherer als die anderen beiden, er hatte nur solange gewartet um Bella einzuladen, weil er Mike´s Vorrecht respektierte.
Aus zwei Gründen wollte ich, daß er es noch schaffte sie zu erreichen. Ich begann zu ahnen, daß diese ganze Aufmerksamkeit für Bella unerfreulich war, und ich wollte es genießen ihre Reaktion darauf zu sehen. Aber, wenn es nicht so war - wenn Tyler´s Einladung diejenige war auf die sie hoffte - dann wollte ich das auch wissen.
Ich betrachtete Tyler Crowley als einen Rivalen, wissend daß es falsch war, das zu tun. Er sah langweilig durchschnittlich und nicht weiter bemerkenswert für mich aus, aber was wußte ich schon von Bella´s Vorlieben?
Vielleicht mochte sie durchschnittliche Jungen ...
Ich zuckte bei diesem Gedanken zusammen. Ich würde niemals ein durchschnittlicher Junge sein. Wie töricht war es, mich selbst als Rivalen für ihre Zuneigung zu sehen. Wie könnte sie jemals Zuneigung für jemanden empfinden, der ein Monster war?
Sie war zu gut für ein Monster.
Ich sollte sie fliehen lassen, aber meine unverzeihliche Neugier hielt mich davon ab, das Richtige zu tun. Wiedereinmal. Aber wenn Tyler jetzt seine Chance verpassen würde, und er sie später fragen würde, wo ich keine Chance hatte den Ausgang mitzubekommen? Ich fuhr meinen Volvo aus der Parklücke auf die Fahrbahn und blockierte so ihren Ausgang.
Emmett und die anderen waren auf dem Weg zu Auto, er beschrieb ihnen mein merkwürdiges Verhalten, deshalb gingen sie langsam, beobachteten mich, und versuchten mein Verhalten zu entschlüsseln.
Ich beobachtete das Mädchen in meinem Rückspiegel. Sie blickte finster in Richtung meines Autos, ohne mich anzusehen, sie sah aus als wünschte sie sich einen Panzer zu fahren, anstatt eines rostigen Trucks.
Tyler eilte zu seinem Auto und stellte sich in die Warteschlange hinter sie, dankbar für mein unerklärliches Verhalten. Er winkte ihr zu, versuchte ihre Aufmerksamkeit zu erregen, aber sie bemerkte es nicht. Er wartete einen Moment, und verließ dann sein Auto, und ging in Richtung ihres Beifahrerfensters. Er klopfte an die Scheibe.
Sie erschrak, und starrte ihn verwirrt an. Nach einer Sekunde rollte sie das Fenster per Hand runter, es sah aus als hätte sie einige Probleme damit.
"Tut mir leid, Tyler, aber ich steck hinter Cullen fest." Sagte sie mit irritierter Stimme.
Sie sagte meinen Nachnamen in einem harten Ton - sie war immer noch verärgert über mich.
"Ja, ich weiß - ich wollte dich nur etwas fragen, solange wir hier festsitzen." Sagte Tyler, nicht abgeschreckt durch ihre Laune.
Sein Grinsen war anmaßend.
Ich war erfreut über die Weise, wie sie bei seinem offensichtlichen Vorhaben erbleichte.
"Hast du vor, mich zum Frühjahrsball zu bitten?" fragte er, nicht über eine Niederlage nachdenkend.
"Ich bin nicht hier, Tyler," sagte sie zu ihm, immer noch mit irritierter Stimme.
"Ja, das hat Mike auch gesagt."
"Aber, warum ...?" ihre Frage erstarb.
Er zögerte. "Ich hatte gehofft, du wolltest es ihm nur schonend beibringen."
Ihre Augen flammten auf, dann kühlten sie wieder ab. "Tut mir leid, Tyler," sagte sie, überhaupt nicht entschuldigend klingend. "Aber ich bin wirklich nicht hier an dem Tag."
Er akzeptierte diese Entschuldigung, sein Selbstbewusstsein war ungebrochen. "Ist schon okay. Wir haben ja noch den Jahresabschlussball."
Er stolzierte zurück zu seinem Wagen.
Ich war richtig gewesen, darauf zu warten.
Der entsetzte Ausdruck auf ihrem Gesicht war unbezahlbar. Er sagte mir, was ich so verzweifelt wissen wollte - sie hatte keinerlei Gefühle für irgendeinen dieser menschlichen Jungen die sie so umwarben.
Außerdem war ihr Ausdruck der wahrscheinlich witzigste, den ich jemals gesehen hatte.
Meine Familie erreichte das Auto, verunsichert darüber, daß ich für einen Wechsel meiner Launen, jetzt mich krümmend vor Lachen im Auto saß, anstatt über das Ganze mörderisch missmutig zu sein.
> Was ist so lustig? < Wollte Emmett wissen.
Ich schüttelte meinen Kopf während ich erneut anfing zu lachen, als Bella ihren lauten Motor aufheulen ließ. Sie sah aus als würde sie sich erneut einen Panzer wünschen.
"Fahr los!" fauchte Rosalie ungeduldig. "Hör auf dich wie ein Idiot zu benehmen. Wenn du kannst."
Ihre Worte verärgerten mich nicht - ich war zu vergnügt. Aber ich tat was sie sagte.
Niemand sprach mich auf dem Nachhauseweg an. Ich kicherte ab und zu, weiter an Bella´s Gesichtsausdruck denkend.
Während ich fuhr - jetzt beschleunigend, da es keine Zeugen mehr gab - ruinierte Alice meine Laune.
"Also, darf ich jetzt mit Bella reden?" fragte sie plötzlich, ohne über die Worte vorher nachzudenken, damit sie mich nicht warnen konnten.
"Nein," zischte ich.
"Das ist nicht fair! Worauf soll ich denn noch warten?"
"Ich hab noch nichts entschieden, Alice."
"Was auch immer, Edward."
In ihrem Kopf waren Bella´s zwei Schicksale wieder vollkommen klar.
"Was ist der Grund dafür, warum du sie unbedingt kennen lernen willst?" murmelte ich, plötzlich griesgrämig. "Weil ich sie wahrscheinlich umbringen werde?"
Alice verstummte für eine Sekunde. "Es wird so einen Punkt geben," sagte sie.
Ich nahm die letzte Haarnadelkurve mit einer Geschwindigkeit von neunzig Meilen pro Stunde, und bremste dann mit kreischenden Bremsen kurz vor der Rückwand der Garage.
"Genieß deinen Lauf," sagte Rosalie selbstgefällig als ich mich aus dem Auto warf.
Aber ich würde heute nicht laufen gehen. Stattdessen ging ich jagen.
Die anderen würden planmäßig Morgen jagen gehen, aber ich konnte es mir jetzt nicht erlauben durstig zu sein. Ich übertrieb es, trank mehr als nötig, überfüllte mich wieder einmal - eine kleine Gruppe Elche und ein Schwarzbär, ich war froh einem so früh in diesem Jahr über den Weg zu laufen. Ich war so voll, daß es unangenehm war. Warum konnte das nicht genug sein? Warum mußte ihr Duft so viel stärker sein als alles andere?
Ich war jagen gewesen um mich auf den nächsten Tag vorzubereiten, aber jetzt, wo ich nicht mehr jagen mußte und die Sonne noch etliche Stunden davon entfernt war wieder aufzugehen, wußte ich, daß der nächste Tag nicht schnell genug kam.
Die nervöse Hochstimmung überkam mich wieder, als ich bemerkte, daß ich dabei war mich auf den Weg zu machen, um das Mädchen zu finden.
Ich diskutierte mit mir selbst den ganzen Weg zurück nach Forks, aber meine wenig edlere Seite gewann die Diskussion, und ich machte weiter mit meinem unhaltbarem Plan. Das Monster war rastlos, aber gut gefüttert. Ich wußte, daß ich einen Sicherheitsabstand zu ihr einhalten müßte. Ich wollte nur wissen wo sie war. Ich wollte nur ihr Gesicht sehen.
Es war schon nach Mitternacht, und Bella´s Haus war dunkel und ruhig. Ihr Truck parkte am Kantstein, der Polizeiwagen ihres Vaters in der Auffahrt. Es gab keine bewussten Gedanken in der ganzen Nachbarschaft. Ich beobachtete das Haus für einen Moment aus der Dunkelheit des Waldes heraus, der östlich an das Haus grenzte. Die Vordertür würde mit Sicherheit abgeschlossen sein - das wäre kein Problem, außer ich wollte eine kaputte Tür als Beweis hinterlassen. Ich beschloss das oberste Fenster als Erstes auszuprobieren. Nicht viele Leute brachten dort ein Schloss an.
Ich überquerte das freie Feld und kletterte an dem Haus hoch in nicht einmal einer halben Sekunde.
Während ich an der Regenrinne baumelte, mich mit einer Hand festhaltend, sah ich durch das Fenster, und meine Atmung stoppte.
Es war ihr Zimmer. Ich konnte sie in dem schmalen Bett liegen sehen, ihre Decke lag auf dem Fußboden und ihr Betttuch war um ihre Beine gewickelt. Während ich sie beobachtete, zuckte sie ruhelos und warf einen Arm über ihren Kopf. Sie schlief nicht tief, zumindest nicht in dieser Nacht. Nahm sie die Gefahr in ihrer Nähe war?
Ich war angewidert über mich selbst, als ich ihr Herumwälzen weiter beobachtete. Warum war ich nicht besser als irgendein kranker Spanner? Ich war nicht besser. Ich war viel, viel schlimmer.
Ich entspannte meine Fingerspitzen, um mich fallen zu lassen. Aber zuerst wollte ich mir noch einen langen Blick auf ihr Gesicht erlauben.
Es war nicht friedlich. Die kleine Furche war wieder zwischen ihren Augenbraunen zu sehen, die Mundwinkel zeigten nach unten. Ihre Lippen bebten, und öffneten sich dann.
"Okay, Mom," murmelte sie.
Bella sprach während sie schlief.
Neugier flammte auf, übermächtige meinen Selbstekel. Es war unmöglich der Faszination dieser ungeschützten, unbewusst gesprochen Gedanken zu entkommen.
Ich untersuchte das Fenster, es war nicht verschlossen, doch es klemmte etwas, weil es so lange nicht mehr gebraucht worden war. Ich schob es langsam auf, zusammenzuckend bei jedem schwachen Knarren von dem Metallrahmen. Ich müßte etwas Öl finden für das nächstes Mal ...
Nächste Mal? Ich schüttelte meinen Kopf, empört über mich selbst.
Ich schwang mich lautlos durch das halb geöffnete Fenster.
Ihr Zimmer war klein - unordentlich aber nicht schmutzig. Neben ihrem Bett auf dem Boden war ein Bücherstapel, die Buchrücken waren von mir weggedreht, und Cds die verstreut bei ihrem preiswerten CD Player lagen - die Oberste war nur eine durchsichtige Hülle. Stapel von Papieren umrundeten einen Computer, der aussah als gehörte er in ein Museum für veraltete Technologien. Schuhe standen auf dem Holzfußboden.
Ich wollte wirklich gerne die Titel ihrer Bücher und CDs lesen, aber ich hatte mir selbst versprochen, daß ich Abstand halten würde; stattdessen setzte ich mich in den alten Schaukelstuhl, der in der entferntesten Ecke des Zimmers stand.
Hatte ich wirklich einmal gedacht, daß sie durchschnittlich aussah? Ich dachte an den ersten Tag, und meine Empörung für die Jungen die sofort fasziniert wegen ihr waren. Aber wenn ich ihr Gesicht jetzt in ihren Gedanken sah, konnte ich nicht verstehen warum ich sie nicht auch sofort wunderschön gefunden hatte. Es war so offensichtlich.
Genau jetzt - mit ihrem dunklen Haaren, die wirr und wild um ihr blasses Gesicht lagen, ein abgenutztes T-Shirt mit Löchern und eine schmuddelige Trainingshose tragend, ihre Gesichtszüge entspannt in Unbewusstheit, ihre vollen Lippen leicht geöffnet - sie nahm mir den Atem. Oder sie würde, dachte ich ironisch, wenn ich atmen würde.
Sie sprach nicht mehr. Wahrscheinlich war ihr Traum zu Ende.
Ich starrte auf ihr Gesicht und versuchte über einen Weg nachzudenken, der die Zukunft erträglich machen könnte.
Sie zu verletzen war nicht tragbar. Bedeutete das, daß meine einzige Wahl darin bestand, erneut zu versuchen wegzugehen?
Die anderen könnten sich deswegen nicht mehr mit mir streiten. Meine Abwesenheit würde niemanden in Gefahr bringen. Da waren keine Verdächtigungen, nichts was die Gedanken von irgendjemandem zurück auf den Unfall lenken würde.
Ich war genauso unschlüssig wie zuvor an diesem Nachmittag, und nicht schien denkbar.
Ich konnte nicht hoffen, mit diesen menschlichen Jungen zu konkurrieren, was auch immer diese eigentümlichen Jungen für sie fühlten oder nicht. Ich war ein Monster. Wie könnte sie auch nur etwas anderes in mir sehen? Wenn sie die Wahrheit über mich wüßte, würde es sie verängstigen und zurückschrecken lassen. Wie das geplante Opfer in einem Horrorfilm, sie würde wegrennen, schreiend vor Grauen.
Ich dachte an ihren ersten Tag in Biologie ... und wußte, daß das genau die richtige Reaktion für sie sein sollte.
Es war albern zu glauben, daß wenn ich derjenige gewesen wäre, der sie zu diesem dummen Tanz eingeladen hätte, sie ihre hastig gemachten Pläne aufgeben würde und zustimmen würde mit mir dorthin zu gehen.
Ich war nicht derjenige, der dazu bestimmt war, zu dem sie ja sagen würde. Es war irgend ein Anderer, jemand menschliches und warmes. Und ich konnte nicht zulassen, daß ich - eines Tages, wenn dieses ja gesagt war - ihn jagen und töten würde, weil sie ihn verdiente, wer auch immer es war. Sie verdiente Glück und Liebe, wen auch immer sie wählte.
Ich schuldete es ihr, jetzt das Richtige zu tun; ich konnte nicht länger so tun als wäre nur ich in Gefahr mich in dieses Mädchen zu verlieben.
Schließlich war es egal ob ich fort ging, weil Bella mich niemals auf die Weise sehen würde.
Ich wünschte sie würde. Mich niemals als würdig ansehend, würdig für Liebe.
Niemals.
Konnte ein totes, gefrorenes Herz brechen? Es fühlte sich an, als würde meines es tun.
"Edward," sagte Bella.
Ich erstarrte, und starrte auf ihre ungeöffneten Augen.
War sie aufgewacht und hatte mich hier erwischt? Sie sah aus als ob sie schlief, aber ihre Stimme war so klar gewesen ...
Sie seufzte leise, und begann dann wieder sich herumzuwälzen, sich auf die Seite rollend - immer noch schlafend und träumend.
"Edward," murmelte sie sanft.
Sie träumte von mir.
konnte ein totes, gefrorenes Herz wieder anfangen zu schlagen? Es fühlte sich an, als würde meines es tun.
"Bleib," sagte sie. "Geh nicht. Bitte ... geh nicht."
Sie träumte von mir, und es war kein Albtraum. Sie wollte, daß ich bei ihr blieb, dort in ihrem Traum.
Ich bemühte mich Worte zu finden, um den Gefühlen einen Namen zu geben die mich durchfluteten, aber ich hatte keine Worte die stark genug dafür waren. Für einen langen Moment tauchte ich in sie hinein.
Als ich wieder auftauchte, war ich nicht mehr der gleiche Mann der ich gewesen war.
Mein Leben war eine unendliche, beständige Mitternacht. Es mußte, aus Notwendigkeit heraus, immer Mitternacht für mich sein. Wie war es möglich das jetzt die Sonne aufging, in der Mitte meiner Mitternacht?
Zu der Zeit als ich ein Vampir wurde, meine Seele und meine Moral eintauschte für Unsterblichkeit, in der sengenden Qual der Transformation, war ich wirklich erstarrt. Mein Körper hatte sich in etwas verwandelt was vielmehr einem Fels glich als Fleisch, dauerhaft und beständig. Mein Selbst, war ebenso erstarrt - meine Persönlichkeit, meine Vorlieben und meine Abneigungen, meine Launen und meine Begierden; alles war erstarrt.
Es war das Gleiche für alle anderen. Wir waren alle erstarrt. Lebende Steine.
Wenn ein Wechsel für einen von uns kam, war es etwas seltenes und dauerhaftes. Ich hatte gesehen wie es Carlisle passiert war, und dann ein Jahrzehnt später mit Rosalie. Liebe hatte sie für alle Ewigkeit verändert, auf eine Weise die niemals verblasste. Es waren mehr als achtzig Jahre vergangen seid Carlisle Esme gefunden hatte, und er schaute sie immer noch mit den gleichen ungläubigen Augen der ersten Liebe an. Es würde immer so für sie sein.
Es würde auch immer für mich so sein. Ich würde dieses zerbrechliche menschliche Mädchen für immer lieben, für den Rest meiner unendlichen Existenz.
Ich blickte auf ihr schlafendes Gesicht, fühlte wie die Liebe zu ihr sich in meinem gesamten steinernen Körper ausbreitete.
Sie schlief jetzt viel friedlicher, mit einem leichten Lächeln auf ihren Lippen.
Sie für immer zu beobachten, begann ich zu planen.
Ich liebte sie, und so würde ich versuchen stark genug zu sein, um sie zu verlassen. Ich wußte, daß ich dafür nicht stark genug war. Ich würde daran arbeiten. Aber vielleicht war ich stark genug, um die Zukunft in eine andere Richtung zu lenken.
Alice hatte nur zwei Schicksale für Bella gesehen und nun verstand ich sie beide. Sie zu lieben würde mich nicht davon abbringen sie zu töten, wenn ich mir selbst erlauben würde Fehler zu machen. Jedoch konnte ich das Monster im Moment nicht fühlen, konnte es nirgendwo in mir finden. Vielleicht hatte die Liebe es für immer verstummen lassen. Wenn ich sie jetzt töten würde, wäre es nicht absichtlich, nur ein schrecklicher Unfall.
Ich müßte übermäßig vorsichtig sein. Ich wäre niemals, je in der Lage, meine Wachsamkeit fallen zu lassen. Ich müßte jeden meiner Atemzüge kontrollieren. Ich müßte immer einen behutsamen Abstand halten.
Ich würde keine Fehler machen.
Ich verstand jetzt auch die zweite Zukunft. Ich war damals verwirrt gewesen, wegen dieser Vision - was konnte wohl passiert sein, was zu dem Ergebnis führte, daß Bella eine Gefangene in diesem unsterblichen Halbleben werden würde? Jetzt - am Boden zerstört, weil ich das Mädchen liebte - konnte ich verstehen wie ich, möglicherweise, in unverzeihlichem Egoismus, meinen Vater um diesen Gefallen bitten würde. Ich würde ihn fragten, ob er ihr, ihr Leben und ihre Seele wegnehmen könnte, damit ich sie für immer behalten könnte.
Sie verdiente besseres.
Aber ich sah noch eine Zukunft, eine kleine Möglichkeit die ich vielleicht in der Lage war zu tun, wenn ich mein Gleichgewicht halten könnte.
Könnte ich das tun? Mit ihr zusammen sein und sie menschlich bleiben zu lassen?
Ich nahm absichtlich einen tiefen Atemzug, und noch einen, ließ ihren Duft durch meinen Körper rasen, wie ein Lauffeuer. Der Raum war voll von ihrem Geruch; ihr Duft lag auf allem. Mein Kopf floß über, aber ich kämpfte gegen das Wirrwarr in meinem Kopf an. Ich mußte damit klarkommen, wenn ich versuchen würde, irgendeine Art von Beziehung mit ihr einzugehen. Ich nahm noch einen tiefen, brennenden Atemzug.
Ich beobachtete ihren Schlaf, bis die Sonne hinter den östlichen Wolken aufging, planend und atmend.

Ich kam erst nach Hause, als die anderen schon zu Schule gefahren waren. Ich wechselte schnell meine Kleidung und versuchte Esme´s fragenden Augen auszuweichen. Sie sah das fieberhafte Licht auf meinem Gesicht, und sie fühlte beides, Sorge und Erleichterung. Meine lange Niedergeschlagenheit hatte sie geschmerzt und sie war froh, daß es so aussah als wäre sie vorüber.
Ich rannte zur Schule, und kam nur ein paar Sekunden später als meine Geschwister an. Sie drehten sich nicht um, weil Alice gewusst haben mußte, daß ich hier in den dichten Wäldern die an die Schule angrenzten stand. Ich wartete bis niemand hinschaute und dann spazierte ich beiläufig zischen den Bäumen hindurch auf den vollen Parkplatz zu.
Ich hörte Bella´s Truck um die Ecke kommen, und ich wartete hinter einem Auto, wo ich sie beobachten konnte, ohne gesehen zu werden.
Sie fuhr auf den Parkplatz, meinen Volvo für einen langen Moment anstarrend, bevor sie in einer der am weitest entfernt liegenden Parklücken einparkte, mit einem Stirnrunzeln auf ihrem Gesicht.
Es war schwer sich daran zu erinnern, daß sie wahrscheinlich immer noch wütend auf mich war, und das mit gutem Grund.
Ich wollte über mich selbst lachen - oder mich selbst treten. All mein Handeln und Planen war vollkommen egal, wenn sie mich nicht auch mögen würde, oder etwa nicht? Ihr Traum könnte über etwas ganz unbedeutendes gewesen sein. Ich war so ein arroganter Dummkopf.
Gut, es wäre auch viel besser für sie, wenn sie sich nicht für mich interessieren würde. Das würde mich nicht davon abhalten ihr weiter zu folgen, aber ich würde ihr eine ausreichenden Hinweis geben, daß ich ihr weiter nachginge. Das schuldete ich ihr.
Ich ging leise auf sie zu, mich fragend, wie ich am besten vorgehen sollte.
Sie machte es einfach. Ihr Autoschlüssel glitt durch ihre Finger als sie ausstieg, und fiel in eine tiefe Pfütze.
Sie bückte sich, aber ich erreichte ihn zu erst, und hob ihn auf, bevor sie ihre Finger in das kalte Wasser tauchen mußte.
Ich lehnte mich an ihren Truck als sie sich bückte und dann hochschoss.
"Wie machst du das?" forderte sie.
Ja, sie war immer noch wütend.
Ich hielt ihr ihren Schlüssel hin. "Wie mache ich was?"
Sie hielt ihre Hand auf, und ich ließ den Schlüssel in ihre Handfläche fallen. Ich nahm einen tiefen Atemzug, ihren Duft einziehend.
"Einfach so aus heiterem Himmel aufzutauchen," erklärte sie.
"Bella, was kann ich dafür, daß du ein außergewöhnlich unaufmerksamer Mensch bist?" Die Worte waren ironisch, fast ein Witz. Gab es denn gar nichts, was sie nicht sah?
Hatte sie gehört wie zärtlich meine Stimme bei dem Ausspruch ihres Namens war?
Sie sah mich an, meinen Humor nicht wahrnehmend. Ihr Herzschlag wurde schneller - vor Ärger? Vor Furcht? Nach einem Moment schaute sie weg.
"Was sollte der Stau gestern?" fragte sie ohne mich anzusehen. "Ich dachte, du wolltest so tun, als würde ich nicht existieren, nicht mich bis aufs Blut reizen."
Sie war immer noch wütend. Es würde mich einige Anstrengungen kosten, mich wieder mit ihr gut zu stellen. Ich erinnerte mich an mein Versprechen, ehrlich zu ihr zu sein ...
"Das war nur Tyler zuliebe. Ich mußte ihm seine Chance lassen." Ich kicherte. Ich konnte mir nicht helfen, ich mußte wieder an ihren Ausdruck von Gestern denken.
"Du ..." sie schnappte nach Luft, und verstummte dann, sie war zu wütend um den Satz zu beenden.
Da war er - der gleiche Ausdruck. Ich hielt ein erneutes Lachen zurück. Sie war schon wütend genug.
"Außerdem tue ich nicht so, als würdest du nicht existieren." Fuhr ich fort. Es war richtig diese beiläufige Witzelei beizubehalten. Sie würde es nicht verstehen, wenn ich ihr zeigen würde wie ich wirklich fühlte. Es würde sie verängstigen. Ich mußte meine Gefühle kontrollieren, die Dinge leicht nehmen ...
"Das heißt, du willst mich tatsächlich bis aufs Blut reizen? Wenn ich schon Tylers Van überlebt habe?"
Ein kleiner wütender Blitz durchfuhr mich. Konnte sie das ehrlich glauben? Es war unvernünftig für mich, sich so angegriffen zu fühlen - aber sie wußte ja nichts von dem Wandel, der mir letzte Nacht widerfahren war. Trotzdem war ich immer noch wütend.
"Bella, was du sagtest ist komplett absurd." Erwiderte ich.
Sie errötete, drehte mir den Rücken zu und ging dann los.
Ich hatte ein schlechtes Gewissen. Ich hatte kein Recht darauf, wütend zu sein.
"Warte," sagte ich.
Sie blieb nicht stehen, also folgte ich ihr.
"Es tut mir leid, das war nicht nett. Nicht das es nicht wahr wäre" - es war absurd zu glauben das ich wollte, daß sie verletzt werden würde - "Aber es war trotzdem nicht nett, es zu sagen."
"Warum lässt du mich nicht einfach in Frieden?"
Glaub mir, wollte ich sagen. Ich hab es wirklich versucht.
Ach, und außerdem, ich bin elendig verliebt in dich.
Nimm es leicht.
"Ich wollte dich was fragen, aber du hast mich vom Thema abgebracht." Ein Gefühl von Freude durchjagte mich und ich lachte.
"Sag mal, hast du vielleicht eine gespaltene Persönlichkeit?" fragte sie.
Es mußte so für sie aussehen. Meine Launen waren sprunghaft, so viele neue Emotionen jagten durch mich durch.
"Jetzt fängst du schon wieder an," sagte ich.
Sie seufzte. "Na schön. Was willst du wissen?"
"Ich hab mich gefragt, ob du nächste Woche Samstag ..." Ich beobachtete, wie der Schock ihr Gesicht erreichte, und mußte mich erneut zurückhalten nicht zu lachen. "Du weißt schon, am Tag des Frühjahrsballs -"
Sie schnitt mir das Wort ab, und schaute mir plötzlich in die Augen. "Soll das vielleicht witzig sein?"
Ja. "Würdest du mich bitte ausreden lassen?"
Sie wartete ruhig und biß sich dabei auf ihre sanfte Unterlippe.
Dieser Anblick lenkte mich für eine Sekunde ab. Fremde, unbekannte Reaktionen ergriffen mein vergessenes, menschliches Inneres. Ich versuchte sie abzuschütteln, damit ich meine Rolle spielen konnte.
"Ich hab mitbekommen, daß du den Tag in Seattle verbringst, und wollte dich fragen, ob du mitfahren willst?" offenbarte ich. Ich erkannte, daß es besser wäre ihre Pläne mit ihr zu teilen, als sie nur wegen ihrer Pläne zu fragen.
Sie starrte mich verblüfft an. "Was?"
"Willst du mit nach Seattle fahren?" Allein mit ihr im Auto - meine Kehle brannte bei diesem Gedanken. Ich nahm einen tiefen Atemzug. Ich muß lernen damit umzugehen.
"Mit wem denn?" fragte sie wieder mit großen, verwirrten Augen.
"Mit mir, wem sonst?" sagte ich langsam.
"Warum?"
War es wirklich so ein Schock, daß ich ihre Gesellschaft wollte? Sie hatte wahrscheinlich die schlechteste Meinung über mich, wegen meinem letzten Verhalten.
"Ich hatte sowieso vor, in den nächsten Wochen nach Seattle zu fahren, und ich bin mir ehrlich gesagt nicht sicher, ob dein Transporter die Strecke schafft." Sagte ich so beiläufig wie möglich.
Es sah sicherer aus sie aufzuziehen, als mir zu erlauben zu ernst zu sein.
"Mein Transporter läuft prima, danke der Nachfrage," sagte sie in dem gleichen überraschten Ton. Sie ging wieder weiter. Ich ging mit.
Sie hatte nicht wirklich nein gesagt, das sah ich als Vorteil.
Würde sie nein sagen? Was würde ich tun, wenn sie es tat?
"Aber schafft er die Strecke auch mit einer Tankfüllung?"
"Ich weiß nicht, was dich das angeht." Grummelte sie.
Das war immer noch kein nein. Ihr Herz schlug jetzt wieder schneller und ihre Atmung ging schneller.
"Die Verschwendung begrenzter Ressourcen geht jeden etwas an."
"Ganz ehrlich, Edward, ich kapier´s nicht. Ich dachte, du willst nicht mit mir befreundet sein."
Ein wohliger Schauer schoß durch mich durch, als sie meinen Namen sagte.
Wie sollte ich es leicht nehmen und gleichzeitig anständig bleiben in solch einem Moment? Natürlich war es wichtiger aufrichtig zu sein. Speziell in diesem Fall.
"Ich hab gesagt, es wäre besser, wenn wir nicht befreundet wären, nicht, daß ich es nicht will."
"Ach so, vielen Dank - gut, daß wir das geklärt haben." Sagte sie sarkastisch.
Sie blieb unter dem Dach der Cafeteria stehen, und sah mich wieder an. Ihr Herzschlag stotterte. Hatte sie Angst?
Ich wählte meine Worte mit bedacht. Nein, ich konnte sie nicht verlassen, aber vielleicht war sie klug genug mich zu verlassen, bevor es zu spät sein würde.
"Es wäre ... besonnender von dir, nicht mit mir befreundet zu sein." Ich starrte in die flüssigen schokoladenbraunen Tiefen ihrer Augen, ich verlor ein wenig meinen Halt. "Aber ich bin es leid, mich von dir fernzuhalten, Bella." Die Worte brannten mit viel zu viel Leidenschaft.
Sie hörte auf zu atmen, es dauerte über eine Sekunde bis sie wieder damit anfing und das beunruhigte mich.
Wie stark hatte ich sie verängstigt? Gut, ich würde es herausfinden.
"Fährst du mit mir nach Seattle?" Fragte ich geradeheraus.
Sie nickte, ihr Herz trommelte laut.
Ja. Sie sagte ja zu mir.
Und dann quälte mich mein Bewußtsein. Was würde sie das kosten?
"Du solltest dich wirklich von mir fernhalten," warnte ich sie. Konnte sie mich hören? Würde sie der Zukunft mit der ich sie bedrohte zustimmen? Konnte ich irgendetwas tun um sie vor mir zu schützen?
Nimm es leicht, schrie ich zu mir selbst. "Wir sehen und in Bio."
Ich mußte mich konzentrieren, um mich selbst davon abzuhalten nicht zu rennen als ich floh.
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Re: Midnight Sun

Beitrag  _twilight.<3 am Sa Feb 06, 2010 7:12 pm

Kapitel 6 : der Geruch von Blut
Ich folgte ihr den ganzen Tag durch die Augen anderer Leute, mein eigenes Umfeld selbst kaum wahrnehmend.
Allerdings nicht durch die Augen von Mike Newton, weil ich seine grauenvollen Phantasien über sie nicht länger ertrug und auch nicht durch Jessica Stanley´s Augen, weil ihre Abneigung für Bella mich auf eine Weise wütend machte, die nicht sicher war für des unbedeutende Mädchen. Angela Weber war eine gute Wahl, wenn ihre Augen verfügbar waren; sie war freundlich - ihr Kopf war ein angenehmer Platz in dem ich verweilen konnte. Und ab und zu waren es auch die Lehrer, die den besten Blick boten.
Ich beobachtete sie, erstaunt darüber, wie sie durch den Tag stolperte - stolpernd über Risse im Gehweg, über verirrte Bücher, und, am allermeisten, über ihre eigenen Füße - so daß die Leute, denen ich in Gedanken folgte, Bella für tollpatschig hielten.
Ich überdachte das. Es war wahr, daß sie oft Probleme hatte aufrecht zu stehen. Ich erinnerte mich an ihr Stolpern an unserem Tisch am ersten Tag, ihr herumschlittern auf dem Eis vor dem Unfall, ihren beinahe Fall gestern über die Türschwelle ...
Wie merkwürdig, sie hatten Recht. Sie war tollpatschig.
Ich wußte nicht, warum das für mich so lustig war, aber, als ich laut lachte während ich von Amerikanischer Geschichte zu Englisch ging, warfen mir einige Leute vorsichtige Blicke zu. Warum war mir das vorher nicht aufgefallen? Wahrscheinlich, weil da etwas sehr anmutiges in ihrer Stille war, die Art wie sie ihren Kopf hielt, die Wölbung ihres Nackens ...
Da war jetzt nichts anmutiges an ihr. Mr Varner beobachtete wie sie mit der Spitze ihres Stiefels am Teppichboden hängen blieb und buchstäblich in ihren Stuhl fiel.
Ich lachte erneut.
Die Zeit verging mit unbeschreiblicher Schwerfälligkeit, während ich auf die Chance wartete, sie mit meinen eigenen Augen sehen zu können. Endlich, es klingelte. Ich ging schnell in die Cafeteria, um mir einen guten Platz zu sichern. Ich war einer der ersten dort. Ich wählte einen Tisch, der normalerweise leer blieb, und war mir sicher, daß sie sich hier zu mir hersetzen würde.
Als meine Familie hereinkam und mich alleine an dem neuen Platz sitzen sah, waren sie nicht wirklich überrascht. Alice mußte sie gewarnt haben.
Rosalie stolzierte an mir vorbei ohne mich anzusehen.
> Idiot. <
Rosalie und ich hatten niemals eine einfache Beziehung gehabt - ich hatte sie beleidigt, seid sie mich zum allerersten Mal sprechen gehört hatte, und von da an war es bergab gegangen - aber es sah so aus, als wäre sie jetzt noch übellauniger als normalerweise in den letzten Tagen.
Ich seufzte. Rosalie tat alles nur für sich selbst.
Jasper gab mir ein halbes Lächeln als er vorbeiging.
> Viel Glück, < dachte er skeptisch.
Emmett rollte mit den Augen und schüttelte seinen Kopf.
> Er hat den Verstand verloren, armer Junge. <
Alice strahlte, ihre Zähne waren zu deutlich zu sehen.
> Darf ich jetzt mit Bella reden?? <
"Lass es sein," sagte ich leise.
Sie verzog das Gesicht, und lächelte dann erneut.
> Schön. Sei stur. Es ist nur eine Frage der Zeit. <
Ich seufzte erneut.
> Vergiss das heutige Biologieprojekt nicht, < erinnerte sie mich.
Ich nickte. Nein, das hatte ich nicht vergessen.
Während ich darauf wartete das Bella kam, folgte ich ihr durch die Augen eines Mitschülers der hinter Jessica zur Cafeteria ging. Jessica plapperte von dem bevorstehenden Schulball, aber Bella antwortete ihr nicht. Nicht das Jessica ihr dafür eine Chance gab.
In dem Moment, als Bella durch die Tür kam, warf sie einen Blick zu dem Tisch an dem meine Geschwister saßen. Sie erstarrte für einen Moment, und dann sank ihr Kopf nach unten und sie schaute zu Boden. Sie hatte nicht gesehen, daß ich hier saß.
Sie sah so ... traurig aus. Ich fühlte ein starkes Verlangen aufzustehen und zu ihr zu gehen, um sie irgendwie zu trösten, aber ich wußte ja nicht, was sie als tröstend empfand. Ich wußte nicht, was sie dazu gebracht hatte so auszusehen. Jessica plapperte immer noch über den Ball. War Bella traurig weil sie ihn verpassen würde? Das erschien mir nicht wahrscheinlich ...
Aber das könnte ich ändern, wenn sie es wünschte.
Sie kaufte sich nur etwas zu Trinken für die Mittagspause, sonst nichts. War das richtig? Brauchte sie nicht mehr Nahrung als das? Ich hatte mir niemals zuvor Gedanken über menschliche Diäten gemacht.
Menschen waren ziemlich ärgerliche Schwachsinnige! Es gab eine Million Dinge um die man sich Sorgen machen mußte ...
"Edward Cullen guckt dich schon wieder so an," hörte ich Jessica sagen. "Komisch, daß er heute alleine sitzt?"
Ich war Jessica dankbar - obwohl sie jetzt noch mehr grollte - weil Bella´s Kopf hochschoss und ihre Augen den Raum durchsuchten, bis sie meine sah.
Das war keine Spur von Traurigkeit mehr in ihrem Gesicht. Ich hoffte, daß sie meinetwegen traurig gewesen war, weil sie dachte ich hätte die Schule früher verlassen und diese Hoffnung ließ mich Lächeln.
Ich gab ihr ein Zeichen mit meinem Finger, sich zu mir zu setzen. Sie sah so erstarrt dabei aus, daß ich sie wieder necken wollte.
Also winkte ich und ihr Mund fiel auf.
"Meint er dich?" fragte Jessica grob.
"Vielleicht hat er eine Frage zu den Biohausaufgaben," sagte sie in einer schwachen, unsicheren Stimme. "Äh, ich geh mal nachsehen was er will."
Das war noch ein ja.
Sie stolperte zwei Mal auf dem Weg zu meinem Tisch, obwohl da nichts war auf ihrem Weg, außer dem glatten Linoleum. Im Ernst, wie hatte ich das vorher übersehen können? Ich würde nicht nur ihren stillen Gedanken mehr Aufmerksamkeit schenken müssen, überdachte ich ... Was hatte ich noch verpasst?
Sei ehrlich, nimm es leicht, sagte ich zu mir selbst.
Sie stoppte zögernd hinter dem Stuhl der mir gegenüberstand. Ich atmete dieses Mal tief durch meine Nase ein, anstatt durch meinen Mund.
Fühl das Brennen, dachte ich trocken.
"Hast du Lust, mir Gesellschaft zu leisten?" fragte ich sie.
Sie zog den Stuhl zurück und setzte sich, während sie mich die ganze Zeit anstarrte. Sie sah nervös aus, jedoch ihre körperliche Einwilligung war ein weiteres ja.
Ich wartete darauf das sie etwas sagte.
Es dauerte einen Moment, aber dann sagte sie endlich, "Das ist - ich weiß nicht - ich bin überrascht."
"Na ja ..." zögerte ich. "Ich hab mir gedacht, wenn ich in die Hölle komme, dann wenigstens nicht ohne guten Grund."
Was hatte mich dazu gebracht so etwas zu sagen? Ich vermutete es war die Ehrlichkeit, immerhin. Und vielleicht hatte sie die unterbewusste Warnung, die meine Worte andeuteten gehört. Vielleicht würde sie begreifen, daß sie aufstehen und davongehen sollte, so schnell wie möglich ...
Sie stand nicht auf. Sie starrte mich an, wartend, als hätte ich meinen Satz nicht beendet.
"Ich hab keine Ahnung, was du damit meinst," sagte sie als ich nicht weitersprach.
Das war eine Erleichterung. Ich lächelte.
"Ich weiß."
Es war schwer, die Gedanken, die mich hinter ihrem Rücken anschrieen, zu ignorieren - und ich wollte das Gesprächsthema sowieso wechseln.
"Ich glaube, deine Freunde sind sauer, daß ich dich entführt habe."
Das schien sie nicht zu beunruhigen. "Sie werden´s überleben."
"Was, wenn ich dich nicht mehr zurückbringe?" Ich wußte nicht, ob ich versuchte anständig zu sein, oder nur versuchte sie wieder zu necken. Ihr nahe zu sein erschwerte es, daß meine eigenen Gedanken Sinn ergaben.
Bella schluckte geräuschvoll.
Ich lachte bei ihrem Ausdruck. "Du siehst besorgt aus." Es sollte wirklich nicht lustig sein ...
Sie sollte sich Sorgen machen.
"Nein." Sie war eine schlechte Lügnerin; es half ihr gar nicht, daß ihre Stimme wegbrach. "Besorgt nun nicht gerade ... eher überrascht."
"Ich sagte doch - ich bin es leid, mich von dir fernzuhalten. Also hab ich es aufgegeben." Ich versuchte mein Lächeln beizubehalten. Das funktionierte nicht wirklich - ich konnte nicht ehrlich und lässig zugleich sein.
"Aufgegeben?" sagte sie perplex.
"Ja - aufgegeben, gut zu sein." Und, offensichtlich, aufgebend lässig zu sein. "Aber jetzt mache ich nur noch, was ich will, und lass den Dingen ihren Lauf." Das war ehrlich genug. Es ließ sie meinen Egoismus sehen. Und warnte sie auch.
"Ich kann dir schon wieder nicht folgen."
Ich war egoistisch genug um froh darüber zu sein, daß das der Fall war. "Ich verrate immer zu viel, wenn ich mit dir rede - das ist schon mal ein Problem."
Ein eher unbedeutendes Problem, im Gegensatz zu den Anderen.
" Mach dir keine Sorgen, ich verstehe nicht das geringste." Versicherte sie mir.
Gut. Sie würde bleiben. "Das hoffe ich."
"Also noch mal so, daß ich es auch kapiere - sind wir nun Freunde oder nicht?"
Ich dachte darüber eine Sekunde nach. "Freunde ... " wiederholte ich. Ich mochte nicht wie das klang. Es war nicht genug.
"Oder nicht," murmelte sie, verlegen aussehend.
Dachte sie etwa ich mochte sie nicht genug dafür?
Ich lächelte. "Na ja, ich würde sagen, wir können es probieren. Aber ich sage dir gleich - ich bin kein guter Freund für dich."
Ich wartete auf ihre Antwort, unentschlossen - wünschend sie würde letztendlich zuhören und verstehen, ich würde wahrscheinlich sterben wenn sie es täte, dachte ich. Wie melodramatisch. Ich verwandelte mich in solch einen Menschen.
Ihr Herz schlug schneller. "Das sagst du ständig."
"Genau - weil du mir nicht zuhörst. Ich warte immer noch darauf, daß du mir endlich glaubst. Wenn du klug bist, gehst du mir aus dem Weg." Sagte ich erneut zu angestrengt.
Oh, aber würde ich es ihr erlauben, wenn sie es versuchte?
Ihre Augen verengten sich. "Damit hätten wir dann auch die Frage meiner Intelligenz geklärt."
Ich war mir nicht genau klar darüber was sie meinte, aber ich lächelte entschuldigend, und vermutete, daß ich sie unabsichtlich beleidigt hatte.
"Das heißt also, falls ich ... nicht klug genug bin, können wir versuchen, Freunde zu sein?" Sagte sie langsam.
"So ungefähr."
Sie sah nach unten und starrte intensiv auf die Limonadenflasche in ihren Händen.
Die alte Neugier peinigte mich erneut.
"Was denkst du gerade?" Fragte ich - es war befreiend diese Worte endlich laut auszusprechen.
Sie sah mich an, und ihre Atmung wurde schneller, während ihre Wangen rot anliefen. Ich atmete ein, schmeckte es in der Luft.
"Ich versuche herauszufinden, wer du wirklich bist."
Ich hielt das Lächeln auf meinem Gesicht, blockierte so meine Gesichtszüge, während Panik durch meinen Körper schoß.
Natürlich war sie darüber verwundert. Sie war ja nicht dumm. Ich konnte nicht hoffen, daß sie so etwas offensichtliches vergessen würde.
"Und - warst du schon erfolgreich?" fragte ich so lässig wie möglich.
"Nicht sehr," gestand sie.
Ich unterdrückte ein Lachen. "Aber du hast so deine Theorien?"
Sie konnten nicht schlimmer sein als die Wahrheit, egal was sie auch sagen würde.
Ihre Wangen wurden tief blutrot, und sie sagte nichts. Ich konnte die Wärme ihrer Schamesröte in der Luft fühlen.
Ich versuchte meine überzeugende Stimme bei ihr einzusetzen. Es funktionierte gut bei normalen Menschen.
"Du willst es mir nicht sagen?" Ich lächelte ermunternd.
Sie schüttelte ihren Kopf. "Zu peinlich."
Ugh. Ich wußte nicht was schlimmer war als das. Warum sollten ihre Spekulationen ihr peinlich sein? Ich konnte es nicht verstehen, ohne zu wissen was es war.
"Das ist wirklich frustrierend, ehrlich."
Meine Beschwerde löste etwas in ihr aus. Ihre Augen flatterten und ihre Worte flossen schneller als sonst aus ihr heraus.
"Ach was, was soll daran denn frustrierend sein - nur weil sich jemand weigert, dir zu verraten, was er denkt, obwohl er selbst die ganze Zeit kryptische Andeutungen macht, die offensichtlich zu nichts anderem da sind, als dich die ganze Nacht vom Schlafen abzuhalten, weil du nicht daraus schlau wirst? Ehrlich, was soll daran denn frustrierend sein?"
Ich blickte sie finster an, bestürzt darüber, daß sie Recht hatte. Das war nicht gerecht.
"Oder," fuhr sie fort, "Sagen wir mal, jemand macht ständig die eigenartigsten Sachen, rettet dir zum Beispiel an einem Tag unter unmöglichen Umständen das Leben und behandelt dich am nächsten Tag wie eine Aussätzige, ohne irgendeine Erklärung abzugeben, obwohl er es versprochen hat - das ist auch überhaupt nicht frustrierend."
Das war die längste Rede, die ich jemals von ihr gehört hatte, und es gab mir eine neue Eigenschaft für meine Liste.
"Kann es sein, daß du ganz schön sauer bist?"
"Ich hab was gegen Doppelmoral."
Sie hatte natürlich vollkommen Recht mit ihrer Verärgerung.
Ich starrte Bella an, mich fragend, wie ich wohl das Richtige für sie tun konnte, während das stille Rufen in Mike Newton´s Kopf mich ablenkte.
Er war so wütend, daß ich lachen mußte.
"Was?"
"Dein Freund denkt anscheinend, ich bin nicht nett zu dir, und jetzt überlegt er sich gerade, ob er rüberkommen und unsere Auseinandersetzung beenden soll." Diesen Versuch würde ich liebend gerne sehen. Ich lachte erneut.
"Ich habe keine Ahnung, wovon du sprichst," sagte sie frostig. "Aber ich bin mir sicher, daß es nicht stimmt."
Es gefiel mir wie sie ihn ablehnte, mit ihrer herablassenden Meinung.
"Es stimmt, verlass dich drauf. Ich hab dir doch gesagt, daß die meisten Leute leicht zu durchschauen sind."
"Außer mir natürlich."
"Genau, außer dir." Mußte sie die Ausnahme für alles sein?
Wäre es nicht viel gerechter - betrachtete man Alles mit dem ich jetzt zurechtkommen mußte - wenn ich dafür etwas von ihren Gedanken hören könnte? War das zu viel verlangt? "Ich frage mich, woran das liegt?"
Ich starrte ihr in die Augen und versuchte es erneut ...
Sie schaute weg. Sie öffnete ihre Limonade und nahm einen kurzen Schluck, ihre Augen waren auf den Tisch gerichtet.
"Hast du keinen Hunger?" fragte ich.
"Nein." Sie sah auf den leeren Tisch zwischen uns. "Und du?"
"Ich? Nein, ich hab keinen Hunger." Sagte ich. Den hatte ich definitiv nicht.
Sie starrte auf den Tisch und ihre Lippen zuckten. Ich wartete.
"Kannst du mir einen Gefallen tun?" fragte sie, mich plötzlich wieder anblickend.
Was wollte sie von mir? Wollte sie mich nach der Wahrheit fragen, die mir nicht erlaubt war ihr zu erzählen - die Wahrheit die ich sie niemals, niemals wissen lassen wollte?
"Das kommt ganz darauf an."
"Es ist nur ein kleiner," versprach sie.
Ich wartete, wieder nervös.
"Ich dachte nur ..." sagte sie langsam, auf die Limonadenflaschenöffnung starrend und ihren kleinen Finger darauf Kreise ziehen lassend. "Vielleicht könntest du mich mein nächsten Mal vorher warnen, wenn du beschließt, mich zu meiner eigenen Sicherheit zu ignorieren? Dann kann ich mich darauf einstellen."
Sie wollte eine Warnung? Dann mußte es schlimm für sie sein, wenn ich sie ignorierte ... Ich lächelte.
"Das kann ich wohl kaum abschlagen." Stimmte ich zu.
"Danke," sagte sie und schaute auf. Ihr Gesicht war so erleichtert, daß ich lachen wollte wegen meiner eigenen Erleichterung.
"Krieg ich im Gegenzug eine Antwort?" fragte ich hoffnungsvoll.
"Eine," erlaubte sie.
"Eine deiner Theorien?"
Sie errötete. "Nicht das."
"Du hast mir eine Antwort versprochen, von Einschränkungen war keine Rede," erinnerte ich sie.
"Und du hast selber Versprechen gebrochen," erinnerte sie mich.
Sie hatte mich.
"Nur eine Theorie - ich lache auch nicht."
"Klar lachst du." Sie war sich sehr sicher deswegen, ich konnte mir nicht vorstellen, was daran so lustig sein könnte.
Ich gab meiner Überredungskunst noch einen Versuch. Ich starrte ihr tief in die Augen - das war einfach, bei so tiefen Augen - und flüsterte, "Bitte?"
Sie blinzelte und ihr Gesicht wurde weiß.
Ok, das war nicht genau die Reaktion die ich wollte.
"Äh, was?" fragte sie. Sie sah verwirrt aus. Was stimmte mit ihr nicht?
Aber ich wollte jetzt noch nicht aufgeben.
"Verrätst du mir bitte eine kleine Theorie?" Bat ich sie mit meiner sanften, nicht verängstigenden Stimme, während ich ihr weiter in die Augen blickte.
Zu meiner Überraschung und Befriedigung funktionierte es endlich.
"Äh, also, hat dich vielleicht eine radioaktive Spinne gebissen?"
Comicbücher? Kein Wunder daß sie dachte ich würde lachen.
"Das ist nicht gerade originell," spottete ich, und versuchte meine erneute Erleichterung beizubehalten.
"Tut mir leid, mehr fällt mir nicht ein," sagte sie beleidigt.
Das erleichterte mich noch mehr. Ich war wieder in der Lage sie zu necken.
"Das war noch nicht einmal nah dran."
"Keine Spinnen?"
"Keine Spinnen."
"Und keine Radioaktivität?"
"Nein."
"Mist," sie seufzte.
"Kryptonit macht mir auch nichts aus," sagte ich schnell - bevor sie wegen Bissen nachfragen konnte - und dann mußte ich lachen, weil sie dachte ich wäre ein Superheld.
"Du wolltest nicht lachen."
Ich presste meine Lippen aufeinander.
"Irgendwann krieg ich es raus," versprach sie.
Und wenn sie es täte, würde sie weglaufen.
"Ich wünschte, du würdest es nicht probieren," sagte ich, alle Neckerei war verflogen.
"Weil ...?"
Ich schuldete ihr Ehrlichkeit. Dennoch versuchte ich zu lächeln, meine Worte weniger bedrohlich klingen zu lassen. "Was, wenn ich kein Superheld bin? Was, wenn ich der Böse bin?"
Ihre Augen weiteten sich und ihre Lippen fielen leicht nach unten. "Oh," sagte sie. Und dann, nach einer weiteren Sekunde, "Verstehe."
Sie hörte mir endlich zu.
"Ach, ja?" fragte ich, während ich versuchte meine Qual zu verbergen.
"Du bist gefährlich?" erriet sie. Ihre Atmung steigerte sich und ihr Herz raste.
Ich konnte ihr nicht antworten. War das mein letzter Moment mit ihr? Würde sie jetzt davonlaufen? Durfte ich ihr erzählen, daß ich sie liebte, bevor sie ging? Oder würde sie das noch mehr verängstigen?
"Aber nicht böse," flüsterte sie, ihren Kopf schüttelnd, ohne Angst ihr ihren klaren Augen. Nein, ich glaube nicht, daß du böse bist."
"Du irrst dich," flüsterte ich kaum hörbar.
Natürlich war ich böse. War ich jetzt nicht froh, daß sie besser von mir dachte, als ich es verdiente? Wenn ich gut wäre, hätte ich mich von ihr ferngehalten.
Ich streckte meine Hand aus, und nahm den Deckel ihrer Limonadenflasche als Vorwand. Sie schreckte vor der plötzlichen Nähe meiner Hand nicht zurück. Sie hatte keine Angst vor mir. Jetzt noch nicht.
Ich ließ den Deckel seitlich zwischen meinen Fingern kreisen und beobachtete mich dabei anstatt sie. Meine Gedanken waren ein wirres Durcheinander.
Lauf, Bella, lauf. Ich konnte mich nicht dazu bringen die Worte laut zu sagen.
Sie sprang auf. "Wir kommen zu spät," sagte sie, genau im dem Moment als ich befürchtete, sie könnte meine stille Warnung irgendwie gehört haben.
"Ich gehe heute nicht zu Bio."
"Warum nicht?"
Weil ich dich nicht umbringen möchte. "Es ist gut für die Gesundheit, gelegentlich zu schwänzen."
Um es praktischer auszudrücken, es war gesünder für Menschen, wenn die Vampire an Tagen an denen menschliches Blut benutzt wurde, schwänzten. Mr Banner wollte heute die Blutgruppen bestimmen. Alice hatte ihre Biostunde heute Morgen schon geschwänzt.
"Ich gehe jedenfalls hin," sagte sie. Das überraschte mich nicht. Sie war verantwortungsbewusst - sie tat immer das Richtige.
Sie war mein Gegenstück.
"Dann bis später," sagte ich, versuchte wieder so lässig wie möglich zu klingen, und starrte auf den sich drehenden Deckel. Und, übrigens, ich liebe dich abgöttisch ... in beängstigender, gefährlicher Weise.
Sie zögerte, und ich hoffte für einen Moment, daß sie hier bei mit bleiben würde.
Doch es klingelte und sie lief davon.
Ich wartete bis sie gegangen war, und steckte dann den Deckel in meine Tasche - ein Souvenir von der allerwichtigsten Unterhaltung - und ging durch den Regen zu meinem Auto.
Ich legte meine liebste, beruhigendste CD ein - es war die gleiche CD, der ich an dem ersten Tag zugehört hatte - aber ich hörte den Noten von Debussy nicht lange zu. Andere Noten waren in meinem Kopf zu hören, ein Stück von einer Melodie die mich erfreute und faszinierte.
Ich schaltete die Anlage aus und hörte der Musik in meinem Kopf zu, spielte mit dem Stück bis es sich zu einer volleren Harmonie entwickelte.
Instinktiv bewegten sich meine Finger in der Luft über unsichtbare Klaviertasten.
Die neue Komposition bildete sich weiter aus, als meine Aufmerksamkeit von einer Welle von gedanklichen Qualen erfasst wurde.
Ich schaute hinüber zu Schule.
> Ist sie dabei das Bewusstsein zu verlieren? Was soll ich bloß machen? < Dachte Mike panisch.
In ungefähr einhundert Metern war Mike Newton dabei Bella´s schlaffen Körper auf den Gehweg zu legen. Sie sank teilnahmslos auf dem nassen Beton zusammen, ihre Augen waren geschlossen, ihre Haut weiß wie eine Leiche.
Ich hatte schon die Tür des Autos geöffnet.
"Bella?" rief ich.
Da war keine Veränderung in ihrem leblosen Gesicht, als ich ihren Namen rief.
Mein gesamter Körper wurde kälter als Eis.
Ich war mir bewußt über Mike´s sich verstärkende Verwunderung, als ich seine wütenden Gedanken durchsah. Er dachte nur an seine Wut auf mich, und so wußte ich nicht was mit Bella geschehen war. Wenn er ihr etwas angetan hatte, würde ich umbringen.
"Was ist passiert - ist sie verletzt?" forderte ich, versuchend seine Gedanken zu fokussieren. Es war unerträglich in der Geschwindigkeit eines Menschen gehen zu müssen. Ich hätte keine Aufmerksamkeit zeigen sollen, bis ich mich ihnen genähert hätte.
Endlich konnte ich ihren Herzschlag und ihre flache Atmung hören. Während ich sie betrachtete, schloß sie ihre Augen noch fester. Das erleichterte meine Panik.
Ich sah einige flimmernde Gedanken in Mike´s Kopf, ein Schwall von Bildern aus dem Biologieraum. Bella´s Kopf auf dem Tisch, ihr helles Gesicht, wie es grün wurde. Tropfen von Blut auf weißen Karten ...
Blutgruppenbestimmung.
Ich blieb wo ich war und hielt den Atem an. Ihr Duft war das eine, aber ihr fließendes Blut war etwas vollkommen anderes.
"Ich glaube, sie ist einfach zusammengeklappt," sagte Mike, ängstlich und grollend zugleich. "Ich weiß auch nicht, was passiert ist, sie hatte sich noch nicht mal in den Finger gestochen."
Erleichterung durchfloss mich, und ich atmete wieder, schmeckte die Luft. Ah, ich konnte den Hauch von Mike Newton´s Stichwunde riechen. Früher einmal hätte mich das wahrscheinlich gereizt. Ich kniete mich neben sie, während Mike über mir stand, wütend über meine Einmischung.
"Bella, hörst du mich?"
"Nein," stöhnte sie. "Geh weg."
Die Erleichterung war so herrlich, daß ich lachen mußte. Sie war in Ordnung.
"Ich war gerade dabei, sie zur Schwester zu bringen." Erklärte Mike. "Aber dann konnte sie nicht mehr weiterlaufen."
"Ich bringe sie hin. Du kannst wieder zurückgehen," sagte ich herablassend.
Mike biß die Zähne zusammen. "Nein. Ich soll das machen."
Ich wollte nicht hier stehen bleiben und mit diesem Schuft diskutieren.
Begeistert und verängstigt zugleich, halb dankbar und halb bedrückt bei dem Dilemma, was es notwendig machte sie anzufassen. Ich hob Bella behutsam vom Gehsteig auf und hielt sie in meinen Armen, nur ihre Kleidung berührend, soviel Abstand wie möglich zwischen unseren Körpern haltend. Ich wollte schnell vorwärts schreiten in der gleichen Geschwindigkeit, in der ich sie in Sicherheit haben wollte - und weiter weg von mir, besser gesagt.
Ihre Augen öffneten sich vor Überraschung.
"Lass mich runter," befahl sie mit matter Stimme - erneut verwirrt, erkannte ich an ihrem Ausdruck. Sie mochte es nicht schwach auszusehen.
Ich hörte kaum den Protest von Mike hinter uns.
"Du siehst furchtbar aus," erzählte ich ihr grinsend, weil ihr außer einem wirren Kopf und einem schwachen Magen nichts fehlte.
"Lass mich runter," sagte sie. Ihre Lippen waren weiß.
"Du fällst also in Ohnmacht, wenn du Blut siehst?" Konnte es etwas ironischeres geben?
Sie schloß ihre Augen und presste die Lippen zusammen.
"Und es war nicht mal dein eigenes Blut," sagte ich weiter, stark grinsend.
Wir hatten das Sekretariat erreicht. Die Tür stand ein kleines Stück offen, und ich öffnete sie mit meinem Fuß.
Ms Cope sprang sofort auf. "Ach herrje," stieß sie hervor, als sie das aschfarbene Mädchen in meinen Armen sah.
"Sie ist in Bio zusammengeklappt," erklärte ich, bevor sie sich etwas schlimmeres Ausdenken konnte.
Ms Cope beeilte sich um die Tür zum Krankenzimmer zu öffnen. Bella´s Augen waren wieder geöffnet und beobachteten sie dabei. Ich hörte wie die großmütterliche Krankenschwester, innerlich Erstaunt, aufblickte, als ich das Mädchen behutsam auf die schäbige Krankenliege legte. Sobald Bella aus meinen Armen war, nahm ich den größtmöglichen Abstand, den dieser Raum zuließ, zu ihr ein. Mein Körper war zu erregt, zu begierig, meine Muskeln verkrampften sich und mein Gift floß. Sie war so warm und wohlriechend.
"Ihr ist nur ein bisschen schwarz vor Augen geworden," beruhigte ich Mrs Hammond. "Sie ermitteln Blutproben in Bio."
Sie nickte, es jetzt verstehend. "Einen gibt es jedes Mal."
Ich unterdrückte ein Lachen. Wissend, daß Bella diejenige war.
"Du Ärmste, bleib einfach eine Weile liegen; es wird gleich besser werden."
"Ich weiß," sagte Bella.
"Passiert dir das öfter?" fragte die Schwester.
"Manchmal," gab Bella zu.
Ich versuchte meinen Lacher als Husten zu tarnen.
Das richtete die Aufmerksamkeit der Schwester auf mich. "Du kannst wieder zum Unterricht gehen," sagte sie.
Ich sah ihr direkt in die Augen und log mit perfektem Selbstvertrauen. "Ich soll bei ihr bleiben."
> Hmm. Ich bin verwundert ... oh ja, natürlich. < Mrs Hammond nickte.
Es funktionierte bestens bei ihr. Warum mußte Bella so schwierig sein?
"Ich geh etwas Eis für deine Stirn holen, Kindchen," sagte die Schwester, sich noch etwas unbehaglich fühlend von meinem Blick in ihre Augen - so wie ein Mensch sich verhalten sollte - und verließ den Raum.
"Du hattest Recht," stöhnte Bella, ihre Augen schließend.
Was meinte sie? Ich dachte sofort an die schlimmste Erklärung; sie hatte meine Warnungen akzeptiert.
"Normalerweise schon," sagte ich, versuchte meine Stimme heiter klingen zu lassen; es hörte sich jetzt aber sauer an. "Aber womit denn speziell?"
"Schwänzen ist tatsächlich gut für die Gesundheit," stimmte sie zu.
Ah, erneute Erleichterung.
Danach war sie still. Sie atmete jetzt nur langsam ein und aus. Ihre Lippen begannen wieder rosa zu werden. Ihr Mund war immer noch leicht schief, ihre Unterlippe war viel voller als die Obere. Auf ihren Mund zu starren fühlte sich für mich seltsam an. Es brachte mich dazu, näher an sie herangehen zu wollen, was keine gute Idee war.
"Einen Moment lang hatte ich wirklich Angst," sagte ich - um die Unterhaltung wieder aufzunehmen, so daß ich ihre Stimme wieder hören konnte. "Ich dachte, Newton zerrt deine Leiche in den Wald, um sie zu vergraben."
"Haha," sagte sie.
"Ehrlich - ich hab schon Leichen gesehen, die eine gesündere Gesichtsfarbe hatten als du." Das war wirklich wahr. "Ich dachte schon, ich müsste deine Ermordung rächen." Und das hätte ich auch.
"Armer Mike. Er ist bestimmt sauer," sagte sie.
Wut durchfuhr mich, aber ich hielt sie schnell zurück. Ihre Besorgnis war sicherlich nur Mitleid. Sie war freundlich. Das war alles.
"Er verabscheut mich zu tiefst," erzählte ich ihr, fröhlich über diese Idee.
"Das weißt du doch garnicht."
"Ich hab sein Gesicht gesehen - das war eindeutig." Das war vermutlich wahr, daß wenn ich den Ausdruck in seinem Gesicht las, ich zu dieser ungewöhnlichen Schlussfolgerung kommen würde.
Diese ganze Übung mit Bella schärfte meine Fähigkeit menschliche Ausdrücke zu lesen.
"Wie hast du mich überhaupt gesehen? Ich dachte du schwänzt?" ihr Gesicht sah besser aus - die grüne Farbe war aus ihrer durchsichtigen Haut verschwunden.
"Ich saß im Auto und hab Musik gehört."
Ihr Ausdruck veränderte sich, als hätte sie meine normale Antwort irgendwie überrascht.
Sie öffnete ihre Augen wieder als Mrs Hammond mit der kalten Kompresse hereinkam.
"So, meine Liebe," sagte die Schwester als sie ihr die Kompresse auf die Stirn legte. "Du siehst schon besser aus."
"Ich glaub, mir geht´s wieder gut," sagte Bella, und setzte sich auf, während sie die Kompresse zur Seite legte. Natürlich. Sie mochte es nicht wenn man sie um sie sorgte.
Mrs Hammond hob ihre faltigen Hände, als wollte sie versuchen das Mädchen wieder auf die Liege zu drücken, als plötzlich Ms Cope die Tür des Krankenzimmers öffnete und ihren Kopf hineinsteckte. Mit ihrem Erscheinen kam auch der Geruch frischen Blutes herein, es war nur ein Hauch.
Unsichtbar in dem Raum hinter ihr war Mike Newton, immer noch wütend, weil er sich wünschte, daß der schwere Junge den er jetzt schleppte, das Mädchen war, welches hier bei mir war.
"Da kommt noch einer," sagte Ms Cope.
Bella sprang schnell von der Liege, erleichtert nicht mehr der Mittelpunkt zu sein.
"Hier, ich brauch sie nicht mehr," sagte sie und gab der Schwester die Kompresse zurück.
Mike wankte als er Lee Stenvens halb durch die Tür trug. Blut tropfte immer noch von der Hand die Lee sich vors Gesicht hielt, und das an seinem Handgelenk herunter lief.
"Oh nein." Das war mein Signal zu gehen - und auch Bella´s, wie es schien. "Geh raus, Bella."
Sie starrte mich mit großen Augen an.
"Vertrau mir - los."
Sie wirbelte herum, bekam die Tür zu fassen, bevor sie zugehen konnte, und stürzte aus dem Zimmer. Ich folgte ein paar Zentimeter hinter ihr. Ihr wirbelndes Haar strich über meine Hand ...
Sie drehte sich um, um mich anzusehen, mit immer noch großen Augen.
"Du hast tatsächlich auf mich gehört." Das war das erste Mal.
Ihre kleine Nase runzelte sich. "Ich hab das Blut gerochen."
Ich starrte sie mit verblüfftem Erstaunen an. "Menschen können kein Blut riechen."
"Ich schon - das ist es ja gerade, was ich nicht ertrage. Es riecht nach rostigem Metall ... und Salz."
Mein Gesicht gefror, ich starrte sie immer noch an.
War sie wirklich überhaupt menschlich? Sie sah menschlich aus. Sie fühlte sich weich an wie ein Mensch. Sie roch menschlich - eigentlich viel besser. Sie handelte menschlich ... sozusagen. Aber sie dachte nicht wie ein Mensch, oder reagierte wie einer.
Welche anderen Alternativen gab es schließlich noch?
"Was ist denn?" fragte sie.
"Nichts."
Mike Newton unterbrach uns, als er den Raum grollend, mit brutalen Gedanken betrat.
"Du siehst besser aus," sagte er unhöflich zu ihr.
Meine Hand zuckte, sie wollte ihm am liebsten ein paar Manieren beizubringen. Ich mußte auf mich selbst aufpassen, oder es würde damit enden, daß ich diesen abscheulichen Jungen töten würde.
"Solange du deine Hand nicht aus der Tasche nimmst," sagte sie. Für eine wilde Sekunde, dachte ich, sie redete mit mir.
"Es blutet nicht mehr," antwortete er brummelnd. "Kommst du wieder mit zurück?"
"Soll das ein Witz sein? Da kann ich auch gleich hier bleiben."
Das war sehr gut. Ich hatte gedacht ich würde diese ganze Stunde mit ihr verpassen, und jetzt bekam ich sogar extra Zeit mit ihr. Ich fühlte mich gierig, wie ein Geizkragen der jede Minute hortete.
"Ja, wahrscheinlich ... ," murmelte er. "Also, wie sieht´s aus bei dir dieses Wochenende - kommst du mit? Zum Strand?"
Ah, sie hatten Pläne. Wut ließ mich dort gefrieren wo ich stand. Es war schließlich nur ein Gruppenausflug. Ich hatte schon etwas davon in den Köpfen anderer Schüler gesehen. Es waren nicht nur die beiden alleine. Ich war trotzdem wütend. Ich lehnte bewegungslos am Empfangstresen und versuchte mich selbst unter Kontrolle zu halten.
"Na klar, hab ich doch gesagt," versprach sie ihm.
Also sagte sie auch ja zu ihm. Die Eifersucht brannte, noch schmerzvoller als der Durst.
Nein, es war nur ein Gruppenausflug, versuchte ich mich selbst zu überzeugen. Sie würde den Tag nur mit Freunden verbringen. Nicht mehr.
"Wir treffen uns um zehn am Laden meines Vaters." > Und Cullen ist NICHT eingeladen. <
"Ich werde da sein," sagte sie.
"Dann bis gleich, bei Sport."
"Bis gleich," erwiderte sie.
Er schlurfte los zum Unterricht, seine Gedanken voll von Wut. > Was sieht sie in diesem Freak? Sicher, er ist reich, das weiß ich. Die Mädchen glauben er ist heiß, aber das sehe ich nicht so. Zu ... zu perfekt. Ich wette sein Vater experimentiert mit Schönheitsoperationen an allen von ihnen herum. Das ist der Grund dafür, daß sie alle so weiß und hübsch sind. Das ist nicht normal. Und seine Art jemanden ... furchterregend anzusehen. Manchmal, wenn er mich anstarrt, könnte ich schwören, daß er darüber nachdenkt mich zu töten ... Freak ... <
Mike war nicht vollkommen unaufmerksam.
"Sport," wiederholte Bella leise. Ein Stöhnen.
Ich schaute sie an, und sah, daß sie erneut über etwas traurig war. Ich war mir nicht sicher warum, aber es war eindeutig, daß sie nicht zur nächsten Stunde mit Mike gehen wollte, und ich war auch für diesen Plan.
Ich stellte mich neben sie und beugte mich nah an ihr Gesicht, ich fühlte wie die Wärme ihrer Haut sternförmig zu meinen Lippen strömte. Ich durfte es nicht riskieren zu atmen.
"Ich kann das für dich regeln," murmelte ich. "Setz dich dorthin und sei blass."
Sie tat worum ich sie bat, sie setzte sich auf einen der Klappstühle und lehnte ihren Kopf an die Wand, während hinter mir Ms Cope aus dem Krankenzimmer kam und zu ihrem Schreibtisch ging. Mit ihren geschlossenen Augen sah Bella aus, als würde sie wieder zusammenbrechen. Sie hatte ihre volle Gesichtsfarbe noch nicht wiedererlangt.
Ich drehte mich zu der Sekretärin um. Voller Hoffnung, Bella würde dem Beachtung schenken, dachte ich hämisch grinsend. Das war wie ein Mensch vermutlich reagieren sollte.
"Ms Cope?" fragte ich, meine unwiderstehliche Stimme erneut benutzend.
Ihre Augenlieder flatterten, und ihr Herzschlag wurde schneller. > Zu jung, halt dich zurück! <
"Ja?"
Das war interessant. Wenn Shelly Cope´s Puls sich erhöhte, war das, weil sie mich körperlich attraktiv fand, nicht weil sie ängstlich war. Ich würde das an anderen weiblichen Menschen ausprobieren ... bis jetzt hatte ich noch nicht entschieden, ob das die Erklärung für Bella´s rasendes Herz war.
Aber ich mochte die Vorstellung. Viel zu sehr, natürlich. Ich lächelte, und Ms Cope´s Atmung wurde lauter.
"Bella hat in der nächsten Stunde Sport, aber ich glaube nicht, daß er ihr schon wieder so gut geht. Ich denke es ist das Beste, wenn ich sie nach Hause bringe. Meinen sie, es wäre möglich, sie vom Unterricht zu entschuldigen?" Ich starrte in ihre ausdruckslosen Augen, und genoss das Chaos, welches mein Blick an ihrem Denkprozess verursachte. War es möglich das Bella ...?
Ms Cope mußte laut Schlucken bevor sie antwortete. "Brauchst du auch eine Entschuldigung, Edward?"
"Nicht nötig, meine nächste Stunde ist bei Mrs Goff, sie hat bestimmt nichts dagegen."
Ich schenkte ihr jetzt nicht mehr so viel Aufmerksamkeit. Ich war dabei die neuen Möglichkeiten zu erforschen.
Hmm. Ich mochte es, daran zu glauben, daß Bella mich genau wie andere Menschen attraktiv fand, aber wann hatte Bella jemals die gleichen Reaktionen wie andere Menschen gehabt? Ich sollte mir nicht zu viele Hoffnungen machen.
"Okay, ich erledige das. Und du, Bella, erholst dich, ja?"
Bella nickte schwach - übertrieb es ein wenig.
"Kannst du laufen, oder soll ich dich wieder tragen?" fragte ich, amüsiert über ihre schlechte schauspielerische Leistung. Ich wußte, sie würde laufen wollen - sie wollte nicht schwach wirken.
"Ich schaff das schon," sagte sie.
Wieder richtig. Ich wurde langsam besser in diesen Dingen.
Sie stand auf, zögerte für einen Moment als ob sie ihr Gleichgewicht überprüfte. Ich hielt ihr die Tür auf, und wir gingen hinaus in den Regen.
Ich beobachtete sie, als sie ihr Gesicht dem leichten Regen entgegenhob und ihre Augen schloß, mit einem leichten Lächeln auf den Lippen. Was dachte sie? Etwas an diesem Handeln war merkwürdig, und plötzlich begriff ich, warum diese Körperhaltung so ungewohnt für mich aussah. Normale menschliche Mädchen würden niemals ihr Gesicht dem Nieselregen zuwenden; normale menschliche Mädchen trugen normalerweise Make Up, auch hier an diesem nassen Ort.
Bella trug niemals Make Up, warum sollte sie auch. Die Kosmetikindustrie machte Billionen von Dollar im Jahr, weil Frauen versuchten eine solche Haut zu haben, wie sie sie hatte.
"Danke," sagte sie, mich jetzt anlächelnd. "Wenn man dann keinen Sport treiben muß, lohnt es sich fast, krank zu sein."
Ich starrte über das Schulgelände, mich fragend wo wir hingehen könnten, damit ich weiter mit ihr reden konnte.
"Gern geschehen," sagte ich.
"Kommst du auch mit? Am Samstag, meine ich?" Sie klang hoffnungsvoll.
Ah, ihre Hoffnung war schmerzlindernd. Sie wollte mit mir dorthin fahren und nicht mit Mike Newton. Und ich wollte ja sagen. Aber da waren viele Dinge zu beachten. Als erstes, die Sonne würde an diesem Samstag scheinen ...
"Wo genau fahrt ihr eigentlich hin?" ich versuchte meine Stimme beiläufig klingen zu lassen, als würde es mir nicht viel ausmachen. Mike hatte schließlich nur Strand gesagt. Nicht viel Chance dem Sonnenlicht auszuweichen.
"Rüber nach La Push, an den Strand First Beach."
Verdammt. Tja, das war dann natürlich unmöglich.
Emmett wäre auf jeden Fall irritiert wenn ich unsere Pläne fürs Wochenende absagen würde.
Ich schaute zu ihr hinunter, ironisch lächelnd. "Ich kann mich garnicht erinnern, eingeladen worden zu sein."
Sie seufzte, bereits resignieret. "Doch. Gerade eben. Von mir."
"Ich finde, wir haben den armen Mike in dieser Woche schon genug provoziert. Nicht daß er uns noch durchdreht." Ich dachte darüber nach wie ich den armen Mike provozierte, und genoss die gedanklichen Bilder intensiv.
"Ach was - Mike," sagte sie erneut herablassend. Ich lächelte breit.
Und dann fing sie an von mir wegzugehen.
Ohne darüber nachzudenken was ich Tat, streckte ich die Hand aus und bekam sie an der Rückseite ihrer Regenjacke zu fassen. Sie hielt ruckartig an.
"Wo willst du denn hin?" Ich war schon wieder wütend darüber, daß sie mich verlassen wollte. Ich hatte noch nicht genug Zeit mit ihr gehabt. Sie konnte nicht weggehen, jetzt noch nicht.
"Nach Hause," sagte sie, verwirrt darüber, was mich das etwas anging.
"Hast du nicht gehört? Ich hab versprochen, dich sicher heimzubringen. Meinst du, ich laß dich in diesem Zustand fahren?" Ich wußte sie würde das nicht mögen - meine logische Schlussfolgerung von ihrer Schwäche. Außerdem brauchte ich ja auch noch Übung für den Seattle Ausflug. Ich wollte herausfinden, ob ich mich in ihrer Nähe in einem solch kleinen Raum im Griff hatte. Das hier war eine viel kürzere Fahrt.
"Was denn für ein Zustand? Und was soll mit meinem Transporter passieren?" entgegnete sie.
"Ich sag Alice, daß sie ihn nach der Schule zu dir fahren soll." Ich zog sie vorsichtig zu meinem Auto zurück, soviel ich wußte, war vorwärts gehen schwierig genug für sie.
"Laß mich los!" sagte sie, seitwärts torkelnd und beinahe hinfallend. Ich streckte eine Hand nach ihr aus um sie aufzufangen, aber sie richtete sich selbst wieder auf, noch bevor es notwendig wurde. Ich sollte nicht nach Möglichkeiten Ausschau halten, um sie berühren zu können. Das brachte mich wieder dazu an Ms Cope´s Reaktion auf mich nachdenken zu wollen, aber ich verschob es auf später. Es gab genug was ich jetzt berücksichtigen mußte.
Ich ließ sie an die Seite des Autos gehen und sie stolperte gegen die Beifahrertür. Ich müßte demnächst noch vorsichtiger sein, unter Berücksichtigung ihres geringen Gleichgewichtes ...
"Du bist so was von bestimmend!"
"Es ist offen."
Ich stieg auf der Fahrerseite ein und startete das Auto. Sie blieb starr neben dem Auto stehen, mittlerweile regnete es stärker und ich wußte, daß sie die Kälte und die Nässe nicht mochte. Wasser rann durch ihre dicken Haare und färbte es fast schwarz.
"Ich bin sehr wohl in der Lage, selber nach Hause zu fahren!"
Natürlich war sie das - ich war nur noch nicht dafür bereit sie gehen zu lassen.
Ich ließ ihr Fenster runter und lehnte mich zu ihr hinüber. "Steig ein, Bella."
Ihre Augen wanderten herum und ich wußte daß sie überlegte, ob sie versuchen sollte zu ihrem Auto zu laufen oder nicht.
"Ich hol dich sowieso wieder zurück," versprach ich, den Verdruss auf ihrem Gesicht genießend, als sie feststellte daß ich es ernst meinte.
Sie hob das Kinn, öffnete die Tür und stieg ein. Das Wasser aus ihren Haar tropfte auf das Leder der Sitze und ihre Stiefel quietschten aneinander.
"Das ist vollkommen unnötig," sagte sie kühl. Ich war der Meinung, daß sie überrascht aussah unter ihrer Verärgerung.
Ich drehte jetzt die Heizung auf, damit sie sich nicht unwohl fühlte und stellte die Musik leiser, damit man sie nur noch im Hintergrund hörte. Ich fuhr Richtung Ausgang, während ich sie aus dem Augenwinkel heraus beobachtete. Sie verzog den Mund. Ich betrachtete diese Situation, prüfte wie es sich für mich anfühlte ... dachte wieder an die Reaktion der Sekretärin ...
Plötzlich schaute sie zum Radio und lächelte, ihre Augen wurden groß. "Clair de Lune?" fragte sie.
Ein Fan von klassischer Musik? "Du kennst Debussy?"
"Nicht gut," sagte sie. "Meine Mutter hört viel Klassik zu Hause - ich kenne nur meine Lieblingsstücke."
"Das ist auch eines meiner Lieblingsstücke." Ich starrte in den Regen, dachte darüber nach. Plötzlich hatte ich was mit dem Mädchen gemeinsam. Ich hatte gedacht, daß wir in jeder Weise das genaue Gegenteil wären.
Sie sah jetzt viel entspannter aus, sie starrte in den Regen genau wie ich, mit gedankenverlorenem Blick. Ich nutzte ihre momentane Ablenkung aus, um zu Atmen.
Ich inhalierte vorsichtig durch meine Nase.
Mächtig stark.
Ich umklammerte das Lenkrad fester. Der Regen machte ihren Duft noch besser. Ich hatte nicht gedacht, daß das möglich wäre. Dummerweise stellte ich mir plötzlich vor wie sie wohl schmecken würde. Ich versuchte durch Schlucken gegen den Durst in meiner Kehle anzugehen, und an etwas anderes zu denken.
"Was ist deine Mutter für ein Mensch?" fragte ich als Ablenkung.
Bella lächelte. "Sie sieht aus wie ich, nur hübscher."
Das bezweifelte ich.
"In mir steckt zu viel von Charlie," erzählte sie weiter. "Sie ist extrovertierter als ich, und mutiger."
Das bezweifelte ich auch.
"Sie ist unverantwortlich und ein klein wenig exzentrisch, und eine ziemlich unberechenbare Köchin. Sie ist meine beste Freundin." Ihre Stimme klang jetzt traurig; ihre Stirn lag in Falten.
Sie hörte sich schon wieder mehr nach einem Elternteil an als nach einem Kind.
Ich hielt vor ihren Haus an, mich zu spät fragend ob ich wissen konnte wo sie wohnte. Nein, das wäre in so einer kleinen Stadt nichts ungewöhnliches, mit einem so bekannten Vater ...
"Wie alt bist du, Bella?" Sie mußte älter sein als ihre Mitschüler. Vielleicht war sie später mit der Schule angefangen, oder war sitzen geblieben ... das war nicht sehr wahrscheinlich.
"Siebzehn," antwortete sie.
"Du wirkst nicht wie siebzehn."
Sie lachte.
"Was denn?"
"Meine Mom sagt immer, daß ich mit 35 geboren wurde und seitdem auch nicht jünger geworden bin." sie lachte erneut, und fuhr dann fort. "Na ja, einer von uns muß ja erwachsen sein."
Das erklärte einiges für mich. Ich verstand jetzt ... wie die nicht verantwortungsbewusste Mutter mir half Bella´s Reife zu erklären. Sie hatte schnell erwachsen werden müssen, und hatte sich um alle Pflichten kümmern müssen.
Deshalb mochte sie es nicht wenn man sich um sie sorgte - sie war der Meinung das wäre ihr Job.
"Du wirkst aber auch nicht gerade wie ein typischer Schüler," sagte sie, und riss mich aus meiner Träumerei.
Ich zog eine Grimasse. Für alles was ich an ihr bemerkte, bemerkte sie viel zu viel an mir. Ich wechselte das Gesprächsthema.
"Also - warum hat deine Mutter Phil geheiratet?"
Sie zögerte einen Moment bevor sie antwortete. "Meine Mutter ... sie ist noch sehr jung für ihr Alter. Ich glaube, daß sie sich mit Phil noch jünger fühlt. Auf jeden Fall ist sie verrückt nach ihm." sie schüttelte nachsichtig ihren Kopf.
"Und - hat sie deinen Segen?" Fragte ich verwundert.
"Spielt das eine Rolle?" fragte sie. "Ich will, daß sie glücklich ist ... und er ist das, was sie will."
Die Selbstlosigkeit ihrer Aussage schockte mich, außer daß es viel zu gut zu ihren Eigenschaften passte die ich bereits kennen gelernt hatte.
"Das ist sehr großzügig ... Ich frag mich ..."
"Was?"
"Ob sie wohl genauso großzügig wäre, wenn es um dich geht? Was meinst du - wäre es ihr egal, wen du dir aussuchst?"
Es war eine tollkühne Frage, und ich konnte meine Stimme nicht beiläufig klingen lassen, während ich fragte. Wie dumm wäre es, jemanden wie mich für seine Tochter zu akzeptieren. Wie blöd sogar zu denken, daß Bella mich erwählen würde.
"Äh, glaub schon," stammelte sie, irgendwie reagierend wegen meinem starrenden Blick. Angst ... oder Attraktivität?
"Allerdings ist sie meine Mutter - das ist ein bisschen was anderes," endete sie.
Ich lächelte breit. "Aber niemand allzu Beängstigendes, nehme ich an."
Sie grinste mich an. "Was meinst du mit beängstigend? Zwei Dutzend Piercings im Gesicht und Tätowierungen bis zum Kinn?"
"Zum Beispiel. Aber nicht nur." Eine nicht sehr lebensbedrohliche Beschreibung, meiner Meinung nach.
"Was noch?"
Sie fragte immer die falschen Fragen. Oder, wahrscheinlich besser gesagt, die richtigen Fragen.
Diese Frage wollte ich nicht beantworten, um keinen Preis.
"Glaubst du, ich könnte beängstigend sein?" fragte ich sie, versuchte ein wenig zu lächeln.
Sie überdachte es bevor sie mit ernster Stimme antwortete. "Hmm ... ich würde sagen, du könntest beängstigend sein, wenn du es drauf anlegst."
Ich sagte auch ernst. "Und hast du jetzt vor mir Angst?"
Sie antworte sofort, ohne darüber nachzudenken. "Nein."
Ich lächelte leichter. Ich glaubte nicht, daß sie wirklich die Wahrheit sagte, aber auch nicht daß sie wirklich log. Immerhin war sie nicht verängstigt genug um weggehen zu wollen. Ich fragte mich, wie sie sich wohl fühlen würde, wenn ich ihr erzählen würde, daß sie diese Unterhaltung mit einem Vampir führte. Ich erschauderte innerlich, bei der Vorstellung ihrer Reaktion.
"Erzählst du mir jetzt was über deine Familie? Das ist sicher sehr viel interessanter als meine Geschichte."
Zumindest eine viel beängstigendere Geschichte.
"Was willst du den wissen?" fragte ich vorsichtig.
"Die Cullens haben dich adoptiert?"
"Ja."
Sie verstummte, und sprach dann mit dünnerer Stimme weiter. "Was ist mit deinen Eltern passiert?"
Das war nicht so schlimm; Ich mußte sie nicht einmal anlügen. "Sie sind vor vielen Jahren gestorben."
"Das tut mir leid," murmelte sie, wirklich besorgt mich verletzt haben zu können.
Sie war besorgt wegen mir.
"Ich erinnere mich kaum an sie. Carlisle und Esme sind seit langem meine Eltern." Antwortete ich ihr.
"Und du liebst sie." Sagte sie.
Ich lächelte. "Ja. Ich kann mir keine besseren Menschen vorstellen als die Zwei."
"Du hast großes Glück."
"Ja. Ich weiß." In diesem einen Fall, den Grund für Eltern, konnte ich mein Glück nicht leugnen.
"Und dein Bruder und deine Schwester?"
Wenn ich sie nach mehr Details fragen lassen würde, würde ich lügen müssen. Ich schaute auf die Uhr, und war niedergeschlagen weil meine Zeit mit ihr um war.
"Mein Bruder und meine Schwester, genauso wie Jasper und Rosalie, werden ziemlich sauer sein, wenn sie im Regen auf mich warten müssen."
"Oh, tut mir leid, du mußt los."
Sie stieg nicht aus. Sie wollte auch nicht, daß unsere Zeit vorüber war. Ich mochte das wirklich, wirklich sehr.
"Und du willst wahrscheinlich deinen Transporter hier stehen haben, bevor Chief Swan heimkommt, um nicht in die Verlegenheit zu kommen, ihm von der heutigen Biostunde erzählen zu müssen." Ich grinste bei der Erinnerung an ihre Verlegenheit in meinen Armen.
"Ich bin mir sicher, er weiß längst Bescheid - es gibt keine Geheimnisse in Forks." Sie sagte den Namen der Stadt mit deutlicher Abscheu.
Ich lachte über ihre Worte. Keine Geheimnisse, in der Tat. "Viel Spaß am Strand." Ich schaute in den strömenden Regen, wissend es würde nicht das letzte Mal sein daß ich sie sah, und dennoch stärker wünschend als normalerweise daß es so sein könnte. "Prima Wetter zu Sonnen." Ok, am Samstag wäre es so. Sie würde es genießen.
"Sehen wir uns nicht morgen?"
Die Sorge in ihrem Ton erfreute mich.
"Nein. Emmett und ich beginnen das Wochenende etwas früher." Ich war jetzt verärgert über mich selbst, solche Pläne gemacht zu haben. Ich könnte sie aufgeben ... aber es gab nichts wichtigeres im Moment als zu Jagen, und meine Familie war schon beunruhigt genug über mein Verhalten, ohne daß ich enthüllte wie stark ich mich verändert hatte.
"Was habt ihr vor?" fragte sie, nicht glücklich klingend über meine Enthüllung.
Gut.
"Wir gehen wandern, in der Goat Rocks Wildnis, südlich von Mount Rainer." Emmett war begierig auf die Jagdsaison für Bären.
"Oh, na ja, viel Spaß," sagte sie halbherzig. Ihr Mangel an Begeisterung erfreute mich erneut.
Während ich sie anstarrte, begann ich die quälenden Gedanken zu fühlen, weil ich ihr jetzt ein vorläufiges Aufwidersehen sagen mußte. Sie war so weich und verwundbar. Es sah töricht aus, sie jetzt von meiner Seite zu lassen, wo ihr alles Mögliche passieren konnte. Und dennoch, das Schlimmste was ihr passieren konnte war mit mir zusammen zu sein.
"Tust du mir einen gefallen am Wochenende?" fragte ich ernsthaft.
Sie nickte, ihre Augen groß und verwirrt über meine Intensität.
Nimm es leicht.
"Sei bitte nicht beleidigt, aber du bist offensichtlich einer dieser Menschen, die Unfälle magisch anziehen. Also ... versuch bitte, nicht in den Ozean zu fallen oder dich von irgendetwas überfahren zu lassen, ja?"
Ich lächelte reumütig zu ihr, hoffend, sie würde die Traurigkeit in meinen Augen nicht sehen. Wie sehr ich mir auch wünschte, daß sie nicht so viel besser war als ich, in irgendeiner Weise, ganz gleich was ihr dort vielleicht passieren könnte.
Lauf, Bella, lauf. Ich liebe dich zu sehr, mehr als für dich gut ist oder für mich.
Sie war beleidigt wegen meiner Bitte. Sie blickte mich finster an. "Mal sehen, was sich machen läßt," fauchte sie, sprang aus dem Auto in den Regen und schmiss die Tür so doll sie konnte hinter sich zu.
Genau wie ein wütendes Kätzchen, daß glaubt es wäre ein Tiger.
Ich umschloss mit meiner Hand den Schlüssel, den ich zuvor aus ihrer Jackentasche genommen hatte, und lächelte als ich davonfuhr.
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